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Bluthochdruck

Kombipräparate sinnvoll, aber zu teuer

Je weniger Tabletten Patienten einnehmen müssen, desto eher tun sie das auch. Fixkombinationen werden daher in der neuen europäischen Leitlinie für die Behandlung von Bluthochdruck ausdrücklich empfohlen. In der Praxis werden sie aber noch selten verordnet – weil sie zu teuer sind, bemängelt die Deutsche Hochdruckliga (DHL).
Annette Mende
22.11.2018
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Für den bevorzugten Einsatz von Fixkombinationen gibt es mehrere gute Gründe. Die Adhärenz ist einer davon. Darüber hinaus sind aber auch weniger Nebenwirkungen zu erwarten, wenn unterschiedliche Wirkstoffe in niedriger Dosis kombiniert werden, als wenn die Dosierung einer Monosubstanz zum Erreichen des Zielblutdrucks immer weiter gesteigert werden muss. »Medikamente, die Nebenwirkungen verursachen, werden öfter vom Patienten ohne Rücksprache mit dem Arzt weggelassen als nebenwirkungsarme Therapeutika«, sagte Professor Dr. Bernhard Krämer von der Universitätsmedizin Mannheim bei einer Pressekonferenz der DHL in Berlin. Auch die bessere Verträglichkeit komme somit letzlich der Adhärenz zugute.

Die im August veröffentlichte Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) und European Society of Hypertension (ESH) setzt daher verstärkt auf Fixkombinationen. Die medikamentöse Therapie soll demnach nun primär mit einer Zweifach-Kombination aus einem ACE-Hemmer oder einem Sartan plus einem Calciumantagonisten oder einem Thiaziddiuretikum erfolgen. Diese Wirkstoffe sollen bevorzugt in einer einzigen Tablette kombiniert werden. »Das sind enorm sinnvolle Empfehlungen, aber in der Praxis gelingt es oftmals nicht, sie umzusetzen«, sagte Krämer.

Bislang haben Kombinationspräparate laut DHL nur einen Anteil von rund 15 Prozent an den Verordnungen von Blutdrucksenkern, Zweifachkombinationen 14 Prozent und Dreifachkombis 1 Prozent. Das Gros der Patienten werde weiter mit Einzelsubstanzen behandelt, was oft die Einnahme von bis zu drei verschiedenen Medikamenten notwendig mache. Der Grund ist simpel: Kombipräparate kosten im Schnitt etwa das Zwei- bis Dreifache eines Monopräparats, das generisch oftmals sehr preisgünstig ist. Die Arzneimittelvereinbarungen, die die kassenärztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen schließen, sehen daher lediglich einen Verordnungsanteil von 3,5 Prozent für Fixkombis vor. Ärzte, die mehr verordnen, müssen Regresse fürchten.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Kombination mehrerer Wirkstoffe war bislang nicht als Erstlinientherapie vorgesehen, sondern stellte eine Eskalation bei nicht ausreichender Wirksamkeit dar. Nur wenige Kombinationspräparate seien daher für die Erstlinie zugelassen, so die DHL. Ein Off-Label-Einsatz stellt aber ein zusätzliches Regressrisiko dar. »Wir fordern daher eine schnelle Umsetzung der Leitlinienempfehlung, und zwar auch abrechnungstechnisch, damit niedergelassene Ärzte ihre Patienten leitliniengerecht versorgen können«, sagte der Internist.

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