Pharmazeutische Zeitung online
Schutzmasken-Verteilung

NNF: Masken-Verweigerer können ihre Vergütung zurückgeben

Deutschlands Apotheken befinden sich im Ausnahmezustand. 27 Millionen Risikopatienten holen sich in diesen Tagen jeweils drei Schutzmasken ab. Die Vergütung dafür ist nicht an die Maskenabgabe geknüpft sondern wird pauschal an alle Apotheken ausgezahlt. Inzwischen gehen Beschwerden über Apotheken ein, die sich nicht an der Aktion beteiligen. Der Nacht- und Notdienstfonds rät diesen Apothekern, das bereits ausgezahlte Honorar zurückzuzahlen.
Benjamin Rohrer
22.12.2020  09:00 Uhr
NNF: Masken-Verweigerer können ihre Vergütung zurückgeben

Seit vergangener Woche gilt die Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung. Sie sieht vor, dass die Vor-Ort-Apotheken rund 27 Millionen Risikopatienten mit FFP2-Schutzmasken versorgen. Weil die Verordnung sehr schnell geschrieben und umgesetzt wurde, wurde die Masken-Abgabe in zwei Wellen aufgeteilt. Die erste Welle läuft bis zum 6. Januar und zunächst noch ohne Bezugsscheine der Krankenversicherungen für die Patienten. Die Apotheker müssen also selbst entscheiden, ob der jeweilige Kunde ein Anrecht auf die Masken hat oder nicht.

Da die Patienten keine Bezugsscheine in den Apotheken vorlegen, konnte auch keine Masken-genaue Abrechnung und Vergütung der Apotheken in der Verordnung etabliert werden. Vielmehr werden die Apotheker für ihre Leistung und den Einkauf der Masken pauschal vergütet: Der Nacht- und Notdienstfonds (NNF), der zum Deutschen Apothekerverband (DAV) gehört, hat dafür pauschal rund 491 Millionen Euro aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds erhalten. Der Fonds wurde vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit der Aufgabe beliehen, das Geld an alle Apotheken zu verteilen. Die Vergütungshöhe ergibt sich dabei aus der Anzahl der abgegebenen Rx-Packungen im dritten Quartal. Heißt konkret: Je mehr Rx-Produkte die Apotheker im besagten Quartal abgaben, desto höher die Zahlungen aus dem Fonds.

Klagen aus dem Apothekerlager

Aus dem Apothekerlager war in den vergangenen Tagen aber immer häufiger zu hören, dass es auch Kollegen/-innen gibt, die die Masken-Verteilung nicht mitmachen, das Geld aber trotzdem kassiert haben. Auch in der Standesvertretung scheint man alarmiert zu sein. Nach Informationen der PZ haben inzwischen mehrere Kammern und Verbände an die Inhaber appelliert, sich an der Versorgungsaktion zu beteiligen.

In einem Schreiben der Landesapothekerkammer Hessen an ihre Mitgliedsapotheken heißt es beispielsweise: »Täglich erreichen uns zahllose Beschwerden sowohl von Mitgliedern als auch von Verbrauchern über die Verweigerung der Maskenabgabe. Wenn dies öffentlich publik wird, schadet dies dem Ansehen des gesamten Berufsstandes und verspielt das Vertrauen der Politik.« Eine vollständige Verweigerung oder eine begrenzte Abgabe an einen eingeschränkten Personenkreis seien unzulässig, heißt es weiter.

Seite12>

Mehr von Avoxa