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Kopfschmerzen und Migräne

»Nicht jedes Analgetikum ist für jeden geeignet«

»Nicht jedes Analgetikum ist für jeden gleich gut geeignet – allemal, da auch die Ansprache auf die unterschiedlichen Wirkstoffe höchst individuell ist. Das Beratungsgespräch erfordert daher nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch Fingerspitzengfühl«, unterstrich Löffler. Besonders wichtig sei es zudem, Betroffene über die Einnahmemodalitäten zu informieren. Leitliniengemäß empfehle es sich, Analgetika frühzeitig in maximaler Einnahmedosis zu applizieren, aber in der Selbstmedikation maximal an zehn Tagen pro Monat zum Schmerzmittel zu greifen.

Bei Spannungskopfschmerz kommen als Mittel der ersten Wahl Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Paracetamol (plus Coffein), bei Migräne zudem Nara- und Almotriptan zum Einsatz. Löffler machte deutlich, dass die den jeweiligen Monosubtanzen in ihrer Effektivität überlegene Kombination aus ASS, Paracetamol und Coffein aufgrund analysierter Vergleichsstudien zu den hervorgehobenen Empfehlungen der Fachgesellschaften zählt.

Koffein als Wirkbeschleuniger und Wirkverstärker

Aufgrund nicht ausreichend belegter Wirksamkeit gäbe es für Naproxen in OTC-Dosierung sowie ASS in Kombination mit Vitamin C oder auch Ibuprofen-Lysinat keine explizite Empfehlung. Ansonsten gelte: »Mono- und Kombinationspräparate gleichen sich hinsichtlich ihrer Sicherheit und Verträglichkeit«, so Löffler mit Verweis auf Metaanalysen der Cochrane-Gesellschaft als internationales Forschungsnetzwerk, das durch systematische Übersichtsarbeiten zur evidenzbasierten Medizin und Pharmazie beiträgt.

»Koffein verfügt mit der Hemmung von Adenosin-Rezeptoren des schmerz-sensorischen Systems über einen eigenen primären Wirkmechanismus. Als Zusatz zu Schmerzmitteln hat es zudem wirkbeschleunigende und wirkverstärkende Effekte. Kombinationspräparate sind oftmals sogar besonders gut verträglich, da sie infolge ihres Synergie-Effektes den Einsatz deutlich niedrigerer Dosen der einzelnen Wirkstoffe erlauben«, hob Löffler hervor.

Analgetika-Kopfschmerz vorbeugen

Ein Medikamenten-Übergebrauch-Kopfschmerz (MOH) sei bei Kombinationsanalgetika nicht häufiger als bei der Gabe von Monosubstanzen zu beobachten. Die leitliniengerechte Anwendung von Analgetika »an nicht mehr als zehn Tagen pro Monat und nicht länger als drei Tage hintereinander« trage per se zu seiner Vermeidung bei. Gefährdet seien vor allem Patienten mit chronischen Beschwerden. Die Apotheke solle hier besonders intensiv über die jeweiligen Pathomechanismen und alternative Methoden der Schmerzlinderung informieren.

Löffler verwies abschließend eindringlich auf die Grenzen der Selbstmedikation. Die ärztliche Konsultation könne unumgänglich werden bei Kopfschmerzen, die täglich oder fast täglich (Schmerzen an mehr als zehn Tagen pro Monat länger als drei Monate) oder aber nach Kopfverletzungen, zum Beispiel infolge eines Sturzes, auftreten.

Der Arztbesuch sei zudem unvermeidbar, wenn die Schmerzen von hohem Fieber oder anderen Beeinträchtigungen wie Orientierungsverlust, Sprachproblemen, Gleichgewichtsstörungen oder Schwindel begleitet werden. Bei Kindern, Schwangeren und stillenden Müttern müsse vor einer eventuellen Selbstmedikation stets eine ärztliche Diagnose und Therapieempfehlung erfolgen.

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