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Pflegeheime in England

NHS stellt 200 Apotheker und PTA ein

Der englische Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) geht das Problem von Fehlmedikationen massiv an und stellt eine ganze Reihe medizinischer Experten ein, um künftig die Gesundheit von Pflegeheimbewohnern zu verbessern.  Laut NHS sind darunter auch 200 klinische Apotheker und PTA.
Jennifer Evans
13.05.2019
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Bewohner von englischen Pflegeheimen nehmen nach NHS-Angaben durchschnittlich sieben verschreibungspflichtige Medikamente pro Tag ein, einige von ihnen sogar zehn oder mehr. Insgesamt kosten diese Arzneimittel den Gesundheitsdienst jedes Jahr 250 Millionen Britische Pfund (knapp 290 Millionen Euro). Die Apotheker, die der NHS nun neu einstellt, sollen dafür sorgen, die Lebensqualität der rund 400.000 Heimbewohner im Land zu verbessern und deren Krankenhausaufenthalte sowie insbesondere deren Übermedikation zu reduzieren. Insgesamt lägen diese Patienten etwa zwei Millionen Tage jährlich im Krankenhaus und landeten 250.000 mal in der Notaufnahme, heißt es. Laut NHS sind allerdings 35 bis 40 Prozent dieser Notfälle vermeidbar, wenn vorab eine entsprechende Beratung rund um die Medikamenteneinnahme statt gefunden hätte.

»Zu viele Patienten nehmen verschreibungspflichtige Arzneimittel ein, die sie gar nicht mehr brauchen oder die dringend angepasst werden müssten«, so Keith Ridge, der beim NHS die pharmazeutischen Themen verantwortet. Deshalb sei »eine zugeschnittene Beratung« essenziell, um die Qualität und Sicherheit in der Pflege zu verbessern. Finanziert werden soll das neue medizinische Personal über ein 20-Millionen-Pfund-Programm (gut 23 Millionen Euro) des Gesundheitsdiensts. 

»Ältere Menschen verdienen die bestmögliche Unterstützung. Und zumal viele Pflegeheimbewohner multimorbide sind, wird die Gesundheitsberatung der zusätzlichen Experten dazu beitragen, dass der NHS die Einnahme unnötiger Arzneimittel vermeiden kann und damit die Pflege verbessert. Auch werden so Gelder für andere wichtige Therapien frei«, so Professor Alistair Burns, der beim NHS klinischer Direktor für Demenz und mentale Gesundheit älterer Menschen ist.

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