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Neuer Corona-Wirkstoff im Härtefall-Einsatz

Opaganib ist ein noch nicht zugelassener neuartiger Sphingosin-Kinase-2-Hemmer in der klinischen Entwicklung für Covid-19-Patienten. Wie Hersteller Redhill Biopharma mitteilt, wird der Wirkstoff jetzt auch außerhalb von Studien in der Schweiz eingesetzt.
Daniela Hüttemann
23.03.2021  14:00 Uhr

Das oral verfügbare Opaganib (Yeliva®, ABC294640) zeigte sich in präklinischen Versuchen sowohl entzündungshemmend und antithrombotisch als auch antiviral wirksam, was den neuen Wirkstoff zum optimalen Kandidaten bei Covid-19 macht. Schließlich kommt es beim Krankheitsverlauf oft zu überschießenden Immunreaktionen. Ursprünglich hatte das amerikanisch-israelische Biotech-Unternehmen Redhill das Molekül für onkologische Indikationen vorgesehen, genauer gesagt bei Gallengangs- und Prostatakarzinomen.

Opaganib hemmt selektiv die Sphingosin-Kinase-2. Dieses Enzym katalysiert die Bildung des Lipid-Signalmoleküls Sphingosin-1-Phosphat (S1P), das wiederum Krebswachstum und Inflammation fördert. Laut Redhill reguliert S1P fundamentale biologische Prozesse wie die Zellproliferation, -migration und die Angiogenese sowie die Immunmodulation und Suppression der T-Zell-Reaktion.

Eine Phase-II-Studie (eine sogenannte Proof-of-Concept-Studie) aus den USA mit Opaganib bei 42 Patienten mit Covid-19-Erkrankung inklusive Lungenentzündung und Sauerstoffzufuhr wurde bereits erfolgreich abgeschlossen (NCT04414618). Die Patienten erhielten zusätzlich zur Standardbehandlung zweimal täglich den Sphingosin-Kinase-2-Hemmer oder Placebo über 14 Tage. Im Dezember verkündete Redhill erste positive Ergebnisse. Für eine Phase-II/III-Studie mit geplant 464 Patienten und demselben Dosierschema werden derzeit Covid-19-Patienten rekrutiert. Auch an dieser multizentrischen Studie sollen Infizierte mit schwerer Covid-19-Infektion teilnehmen (NCT04467840). Aktuell sind zwei Drittel der geplanten Probandenzahl bereits eingeschrieben.

Derweil wurde der Wirkstoff bereits in Israel außerhalb von klinischen Studien in sogenannten Härtefallprogrammen eingesetzt (Compassionate Use). Nun soll der Wirkstoff auch in der Schweiz außerhalb der klinischen Studien zum Einsatz kommen. Um wie viele Patienten es sich handelt, teilte das Unternehmen nicht mit. 

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