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Arzneimittelstrategie für Europa

Neue Ansätze zur Preisbildung bei Medikamenten

Die Pharmaindustrie hält den Strategie-Vorstoß für halbherzig. Es freue die Branche zwar, dass die Kommission den Stellenwert der pharmazeutischen Industrie und deren Bedeutung für die Volkswirtschaft in Europa anerkenne, betont etwa der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Kai Joachimsen.  Wenn es aber um Vorschläge für verbesserte Rahmenbedingungen gehe, die das Potenzial haben, den Wirtschaftsstandort Europa zu stärken, bleibe die Kommission leider weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. »So ist etwa die Verhinderung von Lieferengpässen weit weniger priorisiert worden, als erwartet. Hier hatten wir uns konkrete Lösungsansätze gewünscht und auch bereits zahlreiche Vorschläge eingebracht,« kritisiert Joachimsen

Auch der Verband der forschenden Pharmaunternehmen vfa hatte sich von dem Strategie-Plan mehr erhofft: »Eine EU, die sich mit einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen als supra-nationaler Reparaturbetrieb versteht, greift zu kurz. Anders gesagt: Jetzt ist die Zeit, mutiger zu werden,« sagte vfa-Präsident Han Steutel. »Wir brauchen langfristige Projekte wie eine nachhaltige Strategie für seltene Erkrankungen, die bei einmal getroffenen politischen Entscheidungen bleibt. Die Einführung einer europäischen Nutzenbewertung für Arzneimittel würde ebenso ein Zeichen setzen, wie die Schaffung eines gemeinsamen Gesundheitsdatenraums«, so der vfa-Präsident. 

Und der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) begrüßt die Strategiepläne, fordert zudem aber auch ein Umdenken auf nationaler Ebene: »Die EU-Arzneimittelstrategie verdeutlicht die Bedeutung des Arzneimittelsektors in der Europäischen Union. Zu deren Umsetzung sind aber wichtige Maßnahmen auf nationaler Ebene notwendig. Letztendlich wird eine verbesserte Umsetzung des europäischen Rechtsrahmens die Versorgungssicherheit erhöhen«, so BAH-Hauptgeschäftsführer Hubertus Cranz. Mit Blick auf die Problematik der Lieferengpässe betont er. diese seien ein globales und somit auch europäisches Problem – die Lösung sei häufig aber eher vom nationalen Umfeld abhängig. So sei in Deutschland vor allem eine Anpassung bei den sozialrechtlichen Steuerungselementen notwendig. »Ein Anreizsystem für die Produktion und Forschung gerade auch bei bekannten Substanzen könnte die Situation nachhaltig verbessern«, so Cranz.

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