Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Psychopharmaka
-
Nebenwirkungen besser einschätzen

Wie lassen sich Nebenwirkungen und die anticholinerge Last von Psychopharmaka besser einschätzen? Eine Expertin stellt praktische Tools und Übersichten für die Medikationsanalyse vor.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 14.09.2026  16:20 Uhr

Gut beraten bei Antidepressiva

Neben der Auswahl des passenden Wirkstoffs spielt die Beratung eine wichtige Rolle für die Adhärenz. »Ich glaube, wir können wirklich viel leisten, wenn wir das, was die Ärzte wahrscheinlich im Aufklärungsgespräch gesagt haben, in der Apotheke einfach noch einmal wiederholen, gerne auch bei einem zweiten oder dritten Beratungsgespräch.«

Besonders wichtig ist es, Patienten mit einer Neuverordnung über die Wirklatenz von Antidepressiva aufzuklären. Die stimmungsaufhellende Wirkung tritt frühestens nach sieben Tagen ein.  »Wenn Patienten schon Suizidgedanken haben und anfangen, ein Antidepressivum einzunehmen und da passiert die ersten Tage nichts, dann ist die Hoffnungslosigkeit meist sehr groß«, sagte die Referentin. »Das Apothekenteam muss gut beraten, damit der Patient durchhält«

Auch die Therapiedauer und das Ausschleichen sollten Thema der Beratung sein. Antidepressiva sollten mindestens ein Jahr lang eingenommen werden. »Das Risiko, dass die Depression wiederkommt, ist sonst exorbitant hoch.« Außerdem sollen die Substanzen bei Therapieende immer ausgeschlichen und nicht abrupt abgesetzt werden – selbst, wenn eine Patientin unter der Therapie schwanger wird, betonte Hahn. 

Außerdem räumte die Apothekerin mit einem Gerücht auf, dass sich im Internet hartnäckig halte: »Antidepressiva machen nicht abhängig. Das habe ich in 18 Jahren als klinische Pharmazeutin im Bereich Psychiatrie noch nie gesehen.« Darüber hinaus verändern Antidepressiva nicht die Persönlichkeit. »Ich kann guten Gewissens sagen: Wenn irgendetwas Komisches passiert in Richtung Persönlichkeitsänderung, dann war die Diagnose meistens überhaupt nicht richtig«, so Hahn.

Zum Schluss wies die Referentin darauf hin, dass eine Pharmakotherapie bei Depression immer nur ein Teil des Gesamtkonzeptes sein kann, zum dem etwa auch regelmäßiger Sport und Psychotherapie gehöre. »Bewegung ist ganz wichtig«, verdeutlichte die Apothekerin. Auch digitale Gesundheitsanwendungen können eingesetzt werden.

Mehr von Avoxa