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Studienergebnisse

Monoklonale Antikörper gegen Covid-19 enttäuschen

Monoklonale Antikörper gegen SARS-CoV-2 gelten bislang als ein Hoffnungsträger für die Therapie. Jetzt wurden allerdings zwei Studien zunächst gestoppt, weil die Erwartungen wohl nicht erfüllbar sind.
Theo Dingermann
02.11.2020  16:00 Uhr

In zwei klinischen Studien werden derzeit monoklonale Antikörper zur Therapie von Covid-19 getestet. Allerdings verlaufen diese Studien offensichtlich nicht reibungslos. Erst kürzlich hatte die Firma Lilly die Studie »ACTIV-3« mit ihrem Antikörper Bamlanivimab (LY-CoV555) gestoppt, weil kaum Anzeichen erkennbar waren, dass Covid-19-Patienten, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit befanden, von der Therapie profitieren.

»Das spricht dafür, dass im Spätstadium von Covid-19 eine direkt gegen das Virus gerichtete Therapie zu spät kommt und dass hier andere Behandlungskonzepte notwendig sind«, sagt Professor Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin des Uniklinikums Köln und erklärt: »In der klinischen Praxis beobachten wir einen zweiphasigen Verlauf von Covid-19, wobei die erste Phase von der Virusinfektion selbst und die zweite Phase von einer Immunreaktion des Erkrankten dominiert wird.«

Das Unternehmen meldete jedoch, dass alle anderen Studien mit Bamlanivimab weiter geführt werden, darunter die Studie »ACTIV-2«, eine vom NIH gesponserte Studie mit kürzlich diagnostizierten Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Covid-19. Ferner laufen noch »BLAZE-1«, Lillys laufende Phase-II-Studie an kürzlich im ambulanten Bereich diagnostizierten Covid-19-Patienten, die Bamlanivimab als Monotherapie und in Kombination mit Etesevimab (LY-CoV016) erhalten, sowie BLAZE-2«, Lillys Phase-III-Studie mit Bamlanivimab zur Prävention von Covid-19 bei Bewohnern und Personal von Langzeitpflegeeinrichtungen.

Auch Regeneron meldet Probleme

Jetzt wurde zudem bekannt, dass auch die Firma Regeneron Teile ihrer klinischen Studie mit dem Antikörper-Cocktail REGN-COV2 auf Empfehlung eines unabhängigen Data Safety Monitoring Boards (DSMB) ausgesetzt hat. Zwei Studienarme sind betroffen. So wurde die klinische Prüfung von REGN-COV2 bei den Patienten gestoppt, die schwer an Covid-19 erkrankt und auf eine »High-Flow«- oder eine mechanische Beatmung angewiesen waren. Bekanntheit hatte der Antikörper-Cocktail durch die Erkrankung des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump erlangt, der aufgrund persönlicher Beziehungen mit der experimentellen Therapie behandelt worden war.

Das Data Safety Monitoring Board der Studie hatte das Unternehmen angewiesen, aufgrund des bislang ungünstigen Nutzen-Risiko-Profils die klinische Studie anzupassen. Das Komitee hat empfohlen, nur noch zwei der vier Studienarme weiterlaufen zu lassen. Es sollen nur noch Covid-19-Patienten in die Studie eingeschlossen bleiben, die sich in einem frühen Erkrankungsstadium befinden und die auf keine oder eine nur geringe Beatmung angewiesen sind.

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