| Theo Dingermann |
| 12.08.2026 16:20 Uhr |
Den eigentlichen Erkenntnisgewinn liefert die translationale Verknüpfung mit dem Tiermodell. Übertrugen die Autoren die Mikrobiome von Patienten, die auf den FMT angesprochen hatten, in keimfreie, allergieanfällige Mäuse, so waren die Tiere vor einer Nahrungsmittelallergie und Anaphylaxie bei oralem Allergenkontakt geschützt. Mikrobiome von Non-Respondern vermittelten diesen Schutz nicht.
Die geschützten Tiere zeigten dasselbe immunologische Muster wie die menschlichen Responder. Der Effekt war robust und ließ sich in unterschiedlichen genetischen Hintergründen und Sensibilisierungsmodellen reproduzieren. Als taxonomischen Schlüssel identifizierten die Forschenden Vertreter der Gattung Bacteroides, insbesondere B. ovatus, B. uniformis und B. xylanisolvens, die in Respondern und in den geschützten Mäusen angereichert waren.
Die eigentliche Wirkebene aber liegt im Gallensäure-Stoffwechsel. Gallensäuren sind Abkömmlinge des Choletserols, die in der Leber gebildet und dann an Taurin oder Glycin gebunden. Sie werden mit der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm abgegeben, wo sie bei der Aufnahme von Fetten helfen. Im Darm werden die Säuren durch Bakterien verändert, wobei sekundäre Gallensäuren entstehen. Diese und die primären Gallensäuren werden fast vollständig aus dem Darm rückresorbiert und gelangen wieder zur Leber. Das Team um Rachid konnte in Metabolom-Screenings zeigen, dass der FMT bei Respondern die Spiegel von Gallensäuren erhöhte: im humanen Serum etwa Cholat, im Mäusekot primäre und sekundäre Gallensäuren wie Taurocholat und Tauroursodesoxycholat.
Dass das veränderte Gallensäureprofil nicht ein bloßes Epiphänomen, sondern kausal ist, belegt ein weiteres Experiment: Bacteroides ovatus schützte allergensensibilisierte Mäuse zuverlässig vor der Anaphylaxie und induzierte RORγt⁺-Treg-Zellen. Wurde jedoch das Gen für die Gallensalz-Hydrolase des Bakteriums ausgeschaltet, ging der Schutz weitgehend verloren, und die Treg-Induktion blieb aus.
Der mikrobielle Gallensäure-Metabolismus erweist sich damit als das mechanistische Bindeglied, über das das Transplantat die orale Toleranz wiederherstellt. Die bakterielle Gallensalz-Hydrolase-Aktivität treibt das Gallensäure-Cycling an, woraufhin die entstehenden Metaboliten die Expansion tolerogener RORγt⁺-Treg-Zellen fördern. Diese lenken dann das fehlgeleitete Immunsystem von der Th2-dominierten Allergie zurück in Richtung Toleranz.