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Podiumsdiskussion

Mehr Möglichkeiten für Apotheker

Durchführung von Impfungen, das Ausstellen von Folgerezepten oder die Abgabe von Notfallmedikation ohne Rezept: Die Arzneimittelhersteller würden den Apothekern gern mehr Möglichkeiten einräumen. Diese Anregung war eines der Themen der Podiumsdiskussion, zu der am Donnerstag der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) in Berlin geladen hatte. Die anwesenden Vertreter von Politik und Kassen zeigten sich durchaus offen für diese Vorschläge.
Ev Tebroke
27.09.2018
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Grundsätzlich stecke im Bereich der Switches, also der Entlassung von verschreibungspflichtigen Medikamenten in die Selbstmedikation großes Potenzial, betonte Hermann Kortland, Vize-Hauptgeschäftsführer des BAH. Eine verstärkte Einbindung der Apotheker könnte nicht nur für Patienten die Arzneimittelversorgung erleichtern, sondern auch die Ärzte entlasten.

Aus Sicht der Hersteller spricht nichts dagegen, wenn etwa gut eingestellte Chroniker für ein Folgerezept nicht stets zum Arzt gehen müssten, sondern dies auch bei ihrer Apotheke vor Ort abholen könnten. Auch in bestimmten Akut-Fällen, wie etwa bei Augen-Entzündungen, sollten sich Patienten an Apotheken wenden können und dort etwa ein Rx-Antibiotikum erhalten können.

Die Vorschläge stießen bei den Diskutanten auf offene Ohren. Sowohl Union als auch die Grünen sehen es demnach als positiv, wenn Apotheker impfen dürften. »Der Patient will bequeme Lösungen«, betonte die gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Karin Maag (CDU). Aber die Apotheken wollen dies eher nicht, bedauerte sie die ablehnende Haltung der ABDA. Auch ihre Kollegin von den Grünen, Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik, kann sich gut vorstellen, dass andere Gesundheitsberufe das Impfen übernehmen können. »Die Impfraten sind so niedrig, weil es so kompliziert ist, sich Impfen zu lassen«, kritisierte sie. Niedrigschwelliger Zugang etwa über Apotheken könnte hier Besserung bringen. Ein Problem dabei sei aber nach wie vor die Haftungsfrage. Hier schlug Schulz-Asche eine Haftpflicht vor, in der alle Gesundheitsberufe zusammengefasst sind.

Auch die Idee des Folgerezepts stieß generell auf Wohlwollen, jedoch sollten diese in der Anzahl begrenzt werden, so Maag, sodass der Patient nach einem bestimmten Intervall wieder zum Arzt gehen muss. Was das Dispensierrecht betrifft, so hätte sie bereits sowohl mit Ärzten als auch mit Apothekern diskutiert, etwa in Form von Notfallkoffern Medikamente abgeben zu dürfen. Jedoch hätten beide Seiten stets Bedenken geäußert.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) gab es ebenfalls positives Feedback für eine bessere Einbindung der Apotheker. Für Thomas Müller, Leiter der Abteilung Arzneimittel im BMG bietet die packungsbezogene Vergütung dabei aber wenig Anreiz, pharmazeutische Dienstleistungen zu fördern. Auch hält er den Apotheker als eine Art »Mini-Arzt« für problematisch. Er befürwortet die Einbindung eher über Switches zu regeln. »Man sollte dies eher am Arzneimittel festmachen als an der Indikation«, sagte er.

Seitens der Krankenkassen besteht ebenfalls der Wunsch, das Potenzial der Apotheker stärker auszuschöpfen, wie der Vizechef des GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg, betonte. Aber auch er sieht dabei die Fragen der Haftung als problematisch.

Dass diese Probleme zu lösen sind, zeigen Beispiele aus anderen europäischen Ländern. So ist es etwa Apothekern in Irland erlaubt, Notfallmedikamente abzugeben, wie BAH-Vorstandsmitglied Ralf-Mayr-Stein anmerkte. BAH-Chef Jörg Wieczorek konnte sich letztlich dann einen scharfen Seitenhieb auf die ABDA auch nicht verkneifen. Die Reaktion der Standesvertretung, die bislang all diese Vorschläge zur Erweiterung des apothekerlichen Leistungsspektrums ungenutzt lasse, sei »erschreckend« und »unverständlich«. Vermutlich sei die ABDA derzeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt, kritisierte er.

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