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Britische Daten

Long Covid bei Kindern selten

Während hierzulande gerade über eine Ausweitung der Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche diskutiert wird, kommen neue Daten zu Covid-19 in dieser Altersgruppe aus Großbritannien. Sie sprechen eher gegen eine allgemeine Impfempfehlung.
Annette Rößler
04.08.2021  09:00 Uhr

Kinder und Jugendliche erkranken nur selten schwer an Covid-19, weshalb die Ständige Impfkommission (STIKO) derzeit bei 12- bis 17-Jährigen nur im Fall einer relevanten Vorerkrankung die Coronaimpfung empfiehlt. Bekanntlich steht das Gremium wegen dieser Haltung zurzeit gehörig unter Druck, nicht nur vonseiten der Politik, sondern auch aus den Reihen der Ärzteschaft. Ein Argument der Befürworter der Impfung für alle ab zwölf Jahren ist Long Covid. Denn auch nach einer nur milden akuten Erkrankung könne ein Patient unter dem Syndrom leiden, bei dem Symptome wie Fatigue, Konzentrationsschwierigkeiten und eingeschränkte körperliche Belastbarkeit über Wochen oder sogar Monate andauern, heißt es.

Wie häufig Long Covid bei Kindern und Jugendlichen ist, war bislang aber nicht bekannt. Eine im Fachjournal »The Lancet« veröffentlichte prospektive Kohortenstudie zeigt jetzt: Es ist relativ selten, doch mit 4,4 Prozent ist ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Patienten in dieser Altersgruppe betroffen. Für die Studie hatten die Autoren um Dr. Erika Molteni vom King’s College London Meldungen zu Covid-19 bei Kindern zwischen 5 und 17 Jahren ausgewertet, die Eltern oder andere Erziehungsberechtigte zwischen dem 1. September 2020 und dem 22. Februar 2021 über die Smartphone-App ZOE gemacht hatten. Insgesamt wurden 1734 Kinder und Jugendliche mit positivem PCR-Test berücksichtigt.

Im Durchschnitt zeigten die Teilnehmer sechs Tage lang Symptome, und zwar durchschnittlich drei. Am häufigsten wurden dabei Kopfschmerzen (62,2 Prozent) und Fatigue (55,0 Prozent) genannt. Insgesamt bestätige dies, dass Kinder an Covid-19 meist nur leicht erkranken und sich schnell wieder erholen, so die Autoren. Jüngere Kinder (fünf bis elf Jahre) steckten die Erkrankung dabei mit durchschnittlich lediglich fünf Tagen noch besser weg als ältere (12 bis 17 Jahre), die durchschnittlich sieben Tage lang krank waren.

Auch beim Thema Long Covid bestätigte sich, dass das Risiko mit zunehmendem Lebensalter steigt: Der Anteil derjenigen, die nach vier Wochen noch Symptome zeigten, lag in der gesamten Kohorte bei 4,4 Prozent, bei den Fünf- bis Elfjährigen bei 3,1 Prozent und bei den 12- bis 17-Jährigen bei 5,1 Prozent. Die Langzeit-Betroffenen gaben im Durchschnitt nur noch zwei Symptome an, am häufigsten Fatigue 84,4 Prozent, Kopfschmerzen und Verlust des Geruchssinns (jeweils 77,9 Prozent).

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