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Corbevax

Lizenzfreier Corona-Impfstoff aus den USA in Indien zugelassen

Unter dem Attribut »Covid-19-Impfstoff der Welt« hat jetzt der Spaltimpfstoff Corbevax® von der indischen Zulassungsbehörde (DCGI) eine Notfallzulassung erhalten. Da die akademischen Hersteller des Impfstoffs auf eine Patentierung verzichten, kann der Impfstoff lizenzfrei hergestellt werden.
Theo Dingermann
13.01.2022  17:00 Uhr

Das Texas Children's Hospital und das Baylor College of Medicine in Houston, Texas, USA, haben einen Covid-19-Spaltimpfstoff soweit entwickelt, dass ihm nun in Indien eine Zulassung für den Notfalleinsatz (Emergency Use Authorization, EUA) erteilt wurde.

Corbevax ist ein Spaltimpfstoff, der als Antigen die rekombinant hergestellte Rezeptorbindedomäne des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 enthält. Zudem ist der Impfstoff mit dem CpG 1018-Adjuvanz von Dynavax Technologies versehen.

Eine Besonderheit des Impfstoffs, dessen Herstellung auf eine klassische rekombinante Proteintechnologie beruht, besteht darin, dass er lizenzfrei hergestellt werden kann, da die akademischen Entwickler auf eine Patentierung des Impfstoffs verzichteten.

Wenige Daten zur Wirksamkeit

Corbevax wurde in zwei klinischen Phase-III-Studien an mehr als 3000 Probanden getestet. Das ist für Phase-III-Impfstudien eine eher kleine Probandenzahl, sodass realistische Aussagen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit wohl erst gemacht werden können, wenn viele Menschen mit der Vakzine geimpft wurden.

Corbevax scheint im Vergleich zum Impfstoff Covishield® getestet worden zu sein. Covishield ist unter anderem in Indien zugelassen und wird vom Serum Institute of India hergestellt und entspricht dem vektorbasierten, in der EU zugelassenen Vaxzevria® von Astra-Zeneca.

Demnach zeigt Corbevax eine überlegene Immunantwort bezogen auf die Bildung neutralisierender Antikörper (nAb) gegen den Wuhan-Stamm und die zum Zeitpunkt der Studien weltweit dominante Delta-Variante. Auf dieser Datenbasis leiten die Wissenschaftler indirekt eine Wirksamkeit des Impfstoffs von mehr als 90 Prozent hinsichtlich der Prävention symptomatischer Infektionen ab. Zu mehr als 80 Prozent scheint der Impfstoff vor symptomatischen Infektionen zu schützen, die durch die Delta-Variante verursacht werden.

Bei keinem der Probanden, die mit Corbevax oder Covishield geimpft wurden, traten schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf, wobei nach einer Impfung mit Corbevax 50 Prozent weniger unerwünschte Ereignisse gemeldet wurden als bei einer Impfung mit Covishield.

Anhand von Daten von Probanden, die an der Phase-II-Studie teilgenommen hatten, leiten die Wissenschaftler eine hohe Persistenz der Immunantwort des Impfstoffs ab. Im Zeitraum von sechs Monaten bis zur zweiten Impfung sank der Titer an nAB um lediglich 30 Prozent.

Breite Anwendung soll Virusmutationen verhindern

»Proteinbasierte Impfstoffe werden bereits in großem Umfang zur Vorbeugung zahlreicher anderer Krankheiten eingesetzt, haben eine nachgewiesene Sicherheitsbilanz und nutzen Skaleneffekte, um eine kostengünstige Skalierbarkeit auf der ganzen Welt zu erreichen«, sagt Dr. Maria Elena Bottazzi, Professorin und stellvertretende Dekanin der National School of Tropical Medicine am Baylor und Kodirektorin des Texas Children's Hospital Center for Vaccine Development in einer Pressemitteilung des Instituts.

»Unsere jahrzehntelangen Studien zur Weiterentwicklung von Coronavirus-Impfstoffprototypen haben zur Entwicklung dieses Impfstoffs geführt, der die Zugangslücke schließen wird, die durch die teureren, neueren Impfstofftechnologien entstanden ist und die heute noch nicht schnell genug für eine weltweite Produktion skaliert werden können.«

»Die Zulassung von Corbevax in Indien ist ein wichtiger erster Schritt, um die Welt zu impfen und die Pandemie zu stoppen. Unsere Impfstofftechnologie bietet einen Weg zur Bewältigung einer sich anbahnenden humanitären Krise, nämlich der Anfälligkeit der Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen gegenüber der Delta-Variante«, sagte Dr. Peter Hotez, Professor und Dekan der National School of Tropical Medicine am Baylor und Co-Direktor des Texas Children's Hospital Center for Vaccine Development.

»Eine weit verbreitete und weltweite Impfung mit unserem Texas Children's-Baylor-BE-Impfstoff würde auch das Auftreten neuer Varianten verhindern. Bei der Alpha- und Delta-Variante haben wir diese Chance bisher verpasst. Jetzt haben wir die Chance, eine neue globale Welle zu verhindern, die folgen könnte.«

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