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Wahlen Mecklenburg-Vorpommern
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Linke will Versandhandel von Medikamenten unterbinden

Kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern hat die PZ ein Interview mit der Spitzenkandidatin der Linken, Simone Oldenburg, geführt. Die amtierende Stellvertreterin der Ministerpräsidentin und Bildungsministerin begrüßt, dass Apotheken mehr Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung machen können. Sie plädiert außerdem dafür, den Versandhandel für apothekenpflichtige Arzneimittel zu unterbinden oder zumindest zu begrenzen.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 18.09.2026  12:00 Uhr

PZ: Sie möchten die Qualität der Präventionsangebote verbessern und diese flächendeckend ausbauen. Welche Rolle könnten Apotheken dabei spielen?

Oldenburg: Zunächst einmal möchte ich voranstellen, dass wir über unsere Landtagsfraktion seit Jahren in einem guten Kontakt und Austausch mit der Apothekerkammer M-V stehen. Dies reicht bis hin zur fachlichen Begleitung parlamentarischer Initiativen. Apotheken sind mit ihren niedrigschwelligen Versorgungsangeboten eine wichtige Säule der Gesundheitsversorgung und oft die erste Anlaufstelle für viele Bürgerinnen und Bürger. Deshalb stehen wir an der Seite der Apothekerinnen und Apotheker und haben auch den Apothekerprotest im März unterstützt. Wir wollen die Apotheken vor Ort erhalten und stärken. Es ist gut, dass diese nun für die Prävention und Gesundheitsförderung mehr Angebote machen können, obwohl die konkrete Umsetzung noch geklärt werden muss. Wir sehen aber noch mehr Potenzial, diese Angebote auszubauen und die Kompetenz der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in die Gesundheitsversorgung einzubeziehen.

PZ: Sie schreiben, dass Apotheken erhalten bleiben sollen. Wie wollen Sie das erreichen?

Oldenburg: Mecklenburg-Vorpommern hat – bezogen auf die versorgte Fläche – bundesweit schon die geringste Apothekendichte. Es gibt aber auch in M-V ein differenziertes Bild. Grundsätzlich gilt aber: Eine geringere Anzahl von Apotheken in der Fläche führt zu längeren Wegen für Patientinnen und Patienten, und eine weitere Ausdünnung würde die Versorgung mit Arzneimitteln und damit auch die Gesundheit der Bevölkerung gefährden. Deshalb müssen die Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Führung von Apotheken, insbesondere im ländlichen Raum, verbessert werden.  Zudem muss der Versandhandel für apothekenpflichtige Arzneimittel unterbunden oder mindestens begrenzt werden, so wie es in den meisten EU-Ländern der Fall ist. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften der Preisbindung muss stärker überwacht werden, und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften für die korrekte Lagerung und den korrekten Vertrieb von Arzneimitteln gegenüber ausländischen Versendern muss besser kontrolliert und durchgesetzt werden. Einen solchen Antrag für eine Bundesratsinitiative haben wir unserer Koalitionspartnerin vorgelegt, leider ohne Erfolg. Gelungen ist es uns – nach anderen nichtakademischen Gesundheitsberufen – auch, die Ausbildung der Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten in M-V ab 2026 schulgeldfrei zu stellen. Damit entlasten wir ausbildungswillige Jugendliche und halten sie im Land. In Anbetracht des Renteneintritts der Diplom-Pharmazeutinnen und -Pharmazeuten mit DDR-Abschluss muss darüber hinaus diskutiert werden, wie eine Aufstiegsqualifizierung des nichtakademischen Nachwuchses besser gestaltet werden kann.

PZ: Sie möchten die Gesundheitswirtschaft als Innovationszentrum stärken. Wie wollen Sie das erreichen?

Oldenburg: Die Gesundheitswirtschaft birgt großes innovatives und wirtschaftliches Potenzial. Deshalb richtet Mecklenburg-Vorpommern seit 2005 jährlich die Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft aus, die Impulse für die bundesweite Entwicklung der Branche liefert. Die Gesundheitswirtschaft ist national und international ein wichtiger Zukunftsmarkt und gehört in M-V mit etwa 300 Firmen zu den führenden Branchen in unserem Bundesland. Deshalb haben wir einen Masterplan Gesundheitswirtschaft 2030 aufgestellt, der unter maßgeblicher Koordinierung der Firma BioCon Valley® GmbH umgesetzt und weiterentwickelt wird. Firmen wie Centogene, Cheplapharm, Cortronik, Euroimmun, Miltenyi oder Ypsomed aus der Schweiz zeigen, dass M-V ein guter Standort für die Branche ist. Dieses Potenzial wollen wir als Land weiter heben. So wollen wir zum Beispiel weitere Möglichkeiten für die Produktion und Forschung in unserem Bundesland prüfen. Die Wirkstoffherstellung für lebenswichtige und unersetzliche Medikamente, zum Beispiel für Antibiotika, Krebsmittel und Arzneimittel für Kinder, muss wieder nach Deutschland oder mindestens in die EU verlagert werden. Dabei ist auch der Bund gefragt und muss sein Wort halten. Die Antibiotikaforschung braucht eine stärkere Förderung oder muss in die öffentliche Hand.

PZ: Wie stehen Sie zur Landapothekerquote, die in M-V der Unterversorgung in ländlichen Regionen entgegenwirken soll?

Oldenburg: Wie schon gesagt, gibt es auch in M-V ein differenziertes Bild. In der Landeshauptstadt wollten sich bei einer guten Versorgungsdichte zusätzlich Ketten ausbreiten, was zum Glück gescheitert ist. Die Patientinnen und Patienten wissen, was sie an »ihrer« Apotheke haben, und bleiben ihr treu. Mecklenburg-Vorpommern bildet seit Jahren, gemessen an seiner Einwohnerzahl, zugunsten anderer Bundesländer mehr Ärztinnen und Ärzte, aber auch Apothekerinnen und Apotheker aus. Mit dem am 28. Januar beschlossenen »Gesetz zur Begegnung der medizinischen Unterversorgung oder drohenden Unterversorgung in ländlichen oder strukturschwachen Regionen im Land Mecklenburg-Vorpommern« haben wir als erstes Bundesland unser Landarztgesetz auf Studienplätze für weitere Fachärztinnen und -ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Pharmaziestudierende erweitert, um Absolventinnen und Absolventen im Land zu halten. Leider hätte dies schon viel früher passieren müssen, da uns die Absolventinnen und Absolventen erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen.

Gesundheit: Das hat die Linke in Mecklenburg-Vorpommern vor

»Eine hochwertige Versorgung ist nur möglich, wenn Gesundheit nicht als Ware betrachtet wird«, schreibt die Linke M-V in ihrem Wahlprogramm und fordert ein Gesundheitswesen, das »dem Profitprinzip entzogen wird«. Zudem will sie die Sozialpolitik »konsequent mit Gesundheits- und Infrastrukturpolitik« verknüpfen.

Die Partei will Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte im ärztlichen und nichtärztlichen Bereich beschleunigen und eine »Willkommenskultur« schaffen. Dennoch will sie Fachkräfte gewinnen, ohne selbst einen »Brain-Drain« zu verursachen. Der Begriff bezeichnet die Abwanderung von hochqualifizierten Fachkräften aus ihrer Heimat in andere Regionen oder Länder.

Regionale Gesundheitszentren und Hebammenzentren sollen gefördert werden, zudem soll die Telemedizin flächendeckend zum Einsatz kommen. Auf Bundesebene will sie sich für eine »solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung« einsetzen.

Sie fordert eine bessere Betreuung für Long-Covid- und ME/CFS-Betroffene und plant, Forschungsprojekte auf diesem Gebiet zu unterstützen. Außerdem will die Partei einen »flächendeckenden, bedarfsgerechten, kurzfristigeren und bürokratieärmeren« Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten erreichen.

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