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Kammerversammlung in Thüringen
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Licht und Schatten

In den vergangenen Monaten ist berufspolitisch viel passiert – sowohl Positives als auch Negatives. Kammerpräsident Ronald Schreiber zog bei der Versammlung der Landesapothekerkammer Thüringen gestern in Erfurt Bilanz. Themen waren vor allem das Honorar, die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen und der aktuelle Streit mit den Ärzten.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 11.06.2026  17:45 Uhr

Eine ganze Reihe von Gesetzen und Verordnungen, die die Apothekerschaft betreffen, befinden sich auf der Zielgeraden. In diesen gibt es Positives und Negatives, machte Schreiber zu Beginn seines Berichts bei der Kammerversammlung deutlich. Als positiv verbuchte er die Erhöhung des Fixums – wie im Koalitionsvertrag der amtierenden Bundesregierung vereinbart – auf 9,50 Euro. Anders als versprochen erfolge diese jedoch in zwei Schritten. Zudem relativiere sich die Anhebung durch die Erhöhung des Apothekenabschlags an die Krankenkassen, der von 1,77 Euro auf 2,07 Euro steigen soll. Anders als früher sei diese Erhöhung nicht befristet. »Wir werden große Bemühungen machen müssen, um die wieder wegzubekommen«, sagte Schreiber. Zudem seien die 9,50 Euro, die schon seit Längerem verhandelt wurden, inzwischen nicht mehr ausreichend.

Als positiv zu bewerten sei dabei, dass es in Zukunft eine Dynamisierung beim Fixum geben wird. Dies bedeutet, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der GKV-Spitzenverband jährlich über die Höhe des Fixums verhandeln werden. »Dieses Instrument hatten wir bisher nicht«, so Schreiber. Zur Disposition stehe dabei aber auch der 3-prozentige Aufschlag und die Höhe des Kassenabschlags. »Wir haben also drei Bälle in der Luft«, so der LAKT-Präsident. »Auf die Verhandlungen bin ich gespannt.«

Neue pharmazeutische Dienstleistungen als Chance

Als positiv wertete Schreiber die Einführung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL), wie etwa zusätzliche Impfungen, Bestimmung des Herz-Kreislauf-Risikos und Medikationsmanagement bei komplexer Dauermedikation oder Einführung einer neuen Dauermedikation. Zu deren Umsetzung, gerade auch bei der nun erlaubten Blutentnahme für Laboruntersuchungen, sei noch einiges unklar. Zudem müssten noch Preise zu den Dienstleistungen verhandelt werden.

Unklarheiten gebe es auch in Bezug auf die Nacht- und Notdienstregelungen, die in der überarbeiteten Apothekenbetriebsordnung zu finden sind. Schwierigkeiten bereiten hier vor allem die Teilnotdienste, die nun honoriert werden könnten. In Thüringen will man an den in diesem Jahr eingeführten Modellprojekten, die in einigen Regionen zu einer deutlichen Entlastung bei den Nacht- und Notdiensten geführt hatten, für ein weiteres Jahr festhalten.

Einige Neuerungen in den Gesetzen und Verordnungen sieht Schreiber kritisch. Als Beispiele nannte er die »Wiederauferstehung der Zweigapotheken«. Mit der Verabschiedung des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) wäre es einzelnen Apothekern erlaubt, eine Hauptapotheke sowie drei Filial- und zwei Zweigapotheken zu betreiben. Von diesen sechs Apotheken sei es nicht mehr weit bis zehn oder mehr und damit zum Mehrbesitz.

In den Gesetzestexten falle außerdem auf, dass Begriffe wie »Apotheker und Apothekerin« oder »Inhaber und Inhaberin« zunehmend durch das Wort »Betreiber« ersetzt werden. »Warum ist das so?«, fragte Schreiber. Eine mögliche Erklärung sei, dass sich dadurch später leichter festlegen lasse, wer eine Apotheke betreiben darf. Diese Entwicklung sollte daher aufmerksam verfolgt werden.

Zankapfel Primärversorgung

Ein Thema bewegte den LAKT-Präsidenten und den Vorsitzenden des Thüringer Apothekerverbands (ThAV), Stefan Fink, besonders: Die aktuellen Unstimmigkeiten mit der Ärzteschaft und die Gefährdung des Projekts ARMIN 2.0. Seit einem Jahr arbeite die Thüringer Apothekerschaft zusammen mit der Ärzteschaft und den Kolleginnen und Kollegen aus Sachsen an der Weiterentwicklung des Modellprojekts ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen Thüringen), berichtete Schreiber. Doch jegliche Zusammenarbeit wurde jetzt von der Ärzteschaft eingestellt. Der Grund: Sie ist verärgert über ein Positionspapier der ABDA, in der die Apothekerorganisation ihre Vorstellungen zur Rolle der Apotheker in der Primärversorgung darlegt. »Die ABDA hat ein Jahr Arbeit in Sachsen und Thüringen an einem Tag kaputt gemacht«, sagte Schreiber. »Und das ohne Not.«

Das Positionspapier hätte eigentlich erst nach Abschluss der Verfahren zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz und Arzneimittelpreisverordnung veröffentlicht werden sollen, monierte der LAKT-Präsident. So war es im ABDA-Gesamtvorstand beschlossen worden. Erschienen ist das Papier aber jetzt zum Tag der Apotheke am 7. Juni. »Das ist eine Missachtung der Beschlussfassung.«

Der ABDA-Vorstand werde sich dazu bei der kommenden Mitgliederversammlung am 1. Juli äußern müssen, betonte auch Fink. Die ABDA habe eine »unglückliche Front aufgemacht« – gerade in dieser Zeit des Umbruchs etwa bei den pDL oder bei der Telemedizin, in der eine gute Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft hilfreich wäre.

Zwei Trommsdorff-Medaillen verliehen

Bei der Kammerversammlung in Erfurt gab es aber auch Grund zum Feiern. Die LAKT verlieh zusammen mit dem ThAV die Johann-Bartholomäus-Trommsdorff-Medaille an zwei verdiente Pharmazeuten. Zum einen wurde Dr. Anke Ritter für ihre Verdienste für die Pharmazie in Thüringen ausgezeichnet. Die Pharmazeutin war von 1999 bis 2011 Vizepräsidentin der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) und seit 2003 über viele Jahre Vorstandsmitglied der LAKT.

Mit der Trommsdorff-Medaille wurde auch Universitätsprofessor Dr. Thomas Winckler ausgezeichnet, der die Professur für Pharmazeutische Biologie an der Universität Jena innehat und langjähriger Vorsitzender der DPhG-Landesgruppe Thüringen ist. Der studierte Biologe ist seit 2005 an der Universität in Jena und wird im Herbst in den Ruhestand gehen.

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