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Erkrankungen der Kopfhaut
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Lästige Schuppen mit vielen Ursachen

Schuppen sind eine Begleiterscheinung vieler Erkrankungen der Kopfhaut. Die Ursachen der Schuppenbildung reichen von einer Irritation wegen falscher Pflege über fungale und bakterielle bis hin zu chronischen Erkrankungen. Das Apothekenteam sollte daher nachfragen, wenn ein Kunde ein Schuppenshampoo wünscht.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 26.11.2020  11:00 Uhr

Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes (LE)

Die Erkrankung Lupus erythematodes beschränkt sich auf die Haut (kutane Form, LE) oder betrifft auch innere Organe (systemischer Lupus, SLE). Die Ursachen sind multifaktoriell, zugrunde liegt eine genetische Veranlagung. UV-Licht kann Krankheitsschübe auslösen; weitere Trigger sind Stress, Infektionen, hormonelle Einflüsse und Rauchen.

Es gibt verschiedene Formen des kutanen Lupus. Bei der häufigsten, der diskoiden, Form sind bei 80 Prozent der Patienten nur Gesicht, Kopfhaut oder Ohrmuscheln betroffen, bei 20 Prozent zusätzlich Oberkörper, Arme und Beine. Die typischen Hautveränderungen mit hoher Lichtempfindlichkeit sind scheibenförmige (diskoide) rote Plaques mit weißlichen anhaftenden Schuppen, die eingesunkene, kreisrunde, kahle weißliche Narben mit einem bräunlichen Rand hinterlassen. Das Apothekenpersonal sollte die Patienten an guten Sonnenschutz erinnern.

Bei akuten Schüben verordnet der Arzt laut Leitlinie (AWMF-Register-Nr. Registernummer 013–060, Stand 2020) lokale Glucocorticoide oder topische Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus sowie in Einzelfällen auch Tretinoin-Gel oder -Creme. Systemische Arzneimittel der ersten Wahl bei kutanem LE sind Antimalariamittel wie Hydroxychloroquin und Mepacrin (= Quinacrin, über eine internationale Apotheke) sowie systemische Glucocorticoide. Zweitlinien-Therapeutika sind unter anderem Methotrexat, Retinoide, Thalidomid und Azathioprin.

Fazit: Kopfschuppen kommen bei vielen Erkrankungen vor, sodass das Apothekenteam den Kundenwunsch nach einem Antischuppenshampoo näher hinterfragen muss. Farbe, Form und Begleitsymptomatik weisen auf mögliche Hintergründe und damit auch die Grenzen der Selbstmedikation hin. Milde seifenfreie Shampoos mit Urea, Glycerin oder Dexpanthenol überbrücken die Zeit bis zur Diagnose beim Arzt und sind immer hilfreich.

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