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Besonderheiten

Kopfschmerzen bei Kindern erkennen und behandeln

Schon sehr junge Kinder leiden zunehmend an Kopfschmerzen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Wenn das Kind noch nicht sprechen kann, ist das Problem nicht leicht zu erkennen. Zumal bei Kindern besondere Symptome auftreten können.
PZ
15.06.2022  15:30 Uhr
Kopfschmerzen bei Kindern erkennen und behandeln

»Die Diagnose von Kopfschmerzen ist bei jüngeren Kindern nicht einfach«, erläutert der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, in einer Pressemitteilung. Häufige Anzeichen seien Reizbarkeit, Unruhe und Überempfindlichkeit gegen Berührungen. Etwas ältere Kinder könnten auf ihre Beschwerden schon konkreter hinweisen, etwa indem sie die Hände an den Kopf oder vor die Augen drücken und in ihrer Mimik Schmerzen ausdrücken. Verlässliche Beschreibungen seien aber erst im Vorschul- und frühen Schulalter zu erwarten.

Laut der Stiftung sind bei Kindern wie auch bei Erwachsenen Migräne und Spannungskopfschmerz die häufigsten primären Kopfschmerzerkrankungen. Symptomatisch gebe es aber bei den Kleinen einige Besonderheiten.

Migräne und Spannungskopfschmerz

So hörten Kinder während einer akuten Migräneattacke meistens auf, zu spielen oder zu lernen, seien blass, wollten sich hinlegen und vielleicht auch schlafen. Typisch sei auch, dass jede Anstrengung vermieden werde und das Kind im Laufe einer Attacke einschlafe. Beim Aufwachen seien die Beschwerden dann verschwunden. Der pulsierende oder pochende Schmerz sei – im Gegensatz zur Migräne bei Erwachsenen – zumeist nicht nur auf eine Kopfseite beschränkt, sondern betreffe beide Seiten und häufig auch die Stirn.

Unter den migränetypischen Begleiterscheinungen stünden bei Kindern vor allem Übelkeit und Erbrechen, aber auch Geräusch- und Lichtempfindlichkeit im Vordergrund. Die Attacken seien kürzer als bei Erwachsenen und dauerten nur selten länger als zwei Stunden. Neurologische Ausfälle kurz vor einer Attacke wie Flimmersehen oder Lichtblitze in den Augen, Gefühlsstörungen in Händen und Armen oder auch Sprachstörungen seien auch bei Kindern möglich. Die Heftigkeit des Schmerzes und der neurologischen Begleitsymptome könne so intensiv sein, dass das Kind sie mit starker Angst erlebe.

Spannungskopfschmerz äußere sich bei Kindern wie bei Erwachsenen als leichter bis mäßiger, dumpf-drückender, meist beidseitiger Schmerz, der sich vom Nacken zur Stirn oder in der Gegenrichtung ausbreite und auch die Augen oder Wangen in Mitleidenschaft ziehe. Auch bei Kindern gilt der Rat, sich zu bewegen, denn Spannungskopfschmerz wird bei körperlicher Bewegung nicht stärker, sondern eher schwächer.

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