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Telematik-Infrastruktur 2.0

Konnektor und Karte waren gestern

Zentral für die TI 2.0 ist, dass Fachdienste und Anwendungen künftig über das Internet verfügbar sein sollen, der Zugang wird mittels elektronischer Identität (eID) ermöglicht. Neben mehr Flexibilität für den Nutzer soll diese standortunabhängige Lösung einen stabilen und sicheren Betrieb der TI garantieren, denn die Konnektoren hatten sich zuletzt als störanfälliges Sicherheits- und Stabilitätsrisiko erwiesen: So hatten am 27. Mai 2020 insgesamt 80.000 Konnektoren für die Dauer von 26 Stunden ihre Verbindung zur TI verloren. Insgesamt brauchte es laut Gematik 52 Tage, bis die Auswirkungen dieser Störung in Gänze behoben werden konnte. Mit dem Verzicht auf Konnektoren sollen auch die Identitätskarten wie Heilberufsausweis und SMC-B wegfallen. Stattdessen sollen künftig die Apotheker- und Ärztekammern, die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen als Identitätsgeber agieren. Und die elektronische Gesundheitskarte (EGK) wird künftig nicht mehr ausschließlicher Schlüssel zur Authentifizierung. Vielmehr sollen sich Nutzer mit diversen Authentfizierungsmöglichkeiten eine elektronische Identitätsbestätigung ausstellen lassen können und diese bei allen Diensten zum Zugriff auf Daten verwenden, heißt es in dem Gematik-Papier. Voraussetzung für die Aufnahme eines die Identitäten bestätigenden Dienstes in die TI sei seine Zulassung.

In Zukunft geht es also nicht mehr um einen universellen Zugang zu einem geschlossenen Netz, wie ursprünglich angedacht, sondern berechtigte Nutzer erhalten über Zugangsschnittstellen Zugang zu einzelnen Fachdiensten. Für die einzelnen Dienste innerhalb der TI sollen jeweils spezifische Regeln gelten. Die Dienste und deren Anbieter wiederum sollen interoperabel agieren können, wenn die Berechtigung dazu gegeben ist.

Neue Rolle der Gematik

Mit der Neukonzeption der TI und den damit einhergehenden veränderten Rahmenbedingungen wandelt sich auch die Rolle der Gematik: Sie wird zur Zulassungsstelle für Akteure in der TI. Künftig soll ein klares Regelwerk die Standards für Sicherheit und Interoperabilität in der TI garantieren. Diese Mindeststandards will die Gematik nun mit den sektorverantwortlichen Akteuren, also etwa Ärzten, Apothekern und Kassen kollaborativ erarbeiten. Als übergreifend verantwortliche Stelle wird die Gematik dann die Einhaltung des TI-Regelwerks durchsetzen.

Was den zeitlichen Rahmen der Migration auf die TI 2.0 angeht, so soll die Umstellung auf das neue System sukzessive parallel zum Regelbetrieb erfolgen. »Der standortunabhängige Zugriff und die neue Sicherheitsarchitektur ermöglichen einen Aufbau neuer Dienste beziehungsweise Schnittstellen, ohne den laufenden Betrieb der TI zu beeinträchtigen«, heißt es in dem Whitepaper. Gestaffelt nach Nutzergruppen soll demnach schrittweise eine Anwendung nach der anderen auf die neue Architektur umgestellt werden. Bei den Konnektoren werden die ersten Zertifikate bereits Mitte 2022 ablaufen. Für diese soll in der ersten Phase der Migration eine Übergangslösung greifen. Wie diese aussehen soll, ist jedoch noch nicht näher definiert. Die Sicherstellung eines unterbrechungsfreien Betriebs, insbesondere für »Früh-Anwender«, also etwa Kassen, Ärzte und Apotheker, hat für die Gematik nach eigenen Angaben »oberste Priorität«. Entsprechende Konzepte will sie nun mit Gesellschaftern und potenziellen Industriepartnern diskutieren und umsetzen.

Welche Anforderungen für die Weiterentwicklung der TI vonnöten sind, hatte die Gematik bereits im Sommer 2020 in Interviews mit den Gesellschaftern erarbeitet und anschließend im Rahmen von Strategie-Workshops diskutiert. Der im Whitepaper formulierte Lösungsvorschlag ist nun das Ergebnis. Jetzt soll es in den Fachaustausch gehen.

Das geplante DVPMG sieht unter anderem vor, dass die Kassen ihren Versicherten auf Verlangen spätestens ab dem 1. Januar 2023 ergänzend zur EGK eine digitale Identität zur Verfügung stellen sollen. Ab dann dürften also die ersten Patienten mit einer solchen eID in die Praxen und Apotheken kommen.

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