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Digitalisierung

Gematik erklärt Heilberuflern die »TI 2.0«

Kurz vor dem Start des E-Rezepts sorgte die Gematik bei vielen Heilberuflern zuletzt für Ärger. Denn die vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) kontrollierte Gesellschaft kündigte eine Komplett-Umstellung der Telematikinfrastruktur (TI) an. Im Rahmen eines nicht-öffentlichen Fachgesprächs erklärte die Gematik nun etwa 100 Experten aus der Gesundheitsbranche ihre Pläne. Gematik-Chef Markus Leyck Dieken äußerte sich im Anschluss gegenüber der PZ.
Benjamin Rohrer
15.03.2021  11:00 Uhr

Ärzte, Apotheker und Kliniken haben in den vergangenen Monaten Zeit und Geld investiert, um sich an die Telematikinfrastruktur anzubinden. Die sogenannte »TI« dient gewissermaßen als sichere Datenautobahn im Gesundheitsweisen – ein System, in dem Gesundheitsdokumente, wie etwa das E-Rezept, zwischen Heilberuflern ausgetauscht werden können. Zur Anbindung mussten auch die Apotheker unter anderem in Konnektoren und die benötigten Zugangskarten investieren – die Kassen decken diese Kosten nur zum Teil.

Vor diesem Hintergrund fühlten sich viele Heilberufler angegriffen, als Gematik-Chef Markus Leyck Dieken in einem Whitepaper die »TI 2.0« vorstellte. Denn dem Gematik-Geschäftsführer schwebt eine Internet-basierte TI vor, in der die Heilberufler weder Konnektoren noch Zugangskarten benötigen. Heißt konkret: Die erst kürzlich angeschafften Geräte und Karten würden dann wieder überflüssig. An deren Stelle sollen Patienten eine »elektronische Identität« (eID) bekommen und sich über sichere Anwendungen gegenüber Heilberuflern authentifizieren können. Über die Details der Pläne hatte die PZ bereits ausführlich berichtet.

Einige Gesellschafter der Gematik, unter anderem die Standesvertretungen der Apotheker, Ärzte und Zahnärzte, hatten sich in einem Brief zuletzt bei Leyck-Dieken darüber beschwert. Um die Branchenexperten und Heilberufler von seinen Plänen zu überzeugen, veranstaltete Leyck Dieken in der vergangenen Woche einen sogenannten »Future Summit« – eine Veranstaltung, bei der die Gematik ihre Pläne vor rund 100 Experten ausführlich diskutierte. Laut einem Gematik-Sprecher nahmen auch Apotheker sowie Vertreter von Apotheken-Dienstleistern und Verbänden teil. Unter anderem erklärte die Gematik auf dem »Future Summit« die Ziele einer Machbarkeitsstudie, in der unter anderem die juristische Machbarkeit und die Mehrkosten durch die TI-Umstellung bis zum Sommer evaluiert werden sollen.

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