Nach den zukunftsweisenden Worten der BLAK-Präsidentin holte der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbands (BAV), Hans-Peter Hubmann, die Zuhörenden in die »harte wirtschaftliche Realität« zurück.
Laut dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) müssten alle Beteiligten im Gesundheitssystem einen Sparbeitrag leisten – auch die Apotheken. »Das steht im eklatanten Widerspruch zu den bisherigen Aussagen, man wolle die Apotheken stärken«, sagte Hubmann. Während der Kassenabschlag unbefristet auf 2,07 Euro angehoben werden soll, gebe es zu der im Koalitionsvertrag versprochenen Anhebung des Fixums nur Lippenbekenntnisse. Für Hubmann ist das nicht hinnehmbar.
Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands / © BAV/Sabrina Spieß
Der Blick auf den Apothekenmarkt sei alarmierend. »Ende 2026 gab es in Bayern noch 2614 Apotheken – das ist ein Rückgang von über 800 Apotheken vom Höchstwert Anfang der 2000er-Jahre«, berichtete der BAV-Vorsitzende. In den vergangenen 20 Jahren sei ein Viertel der Apotheken vom Markt verschwunden; die Apothekenzahl liege jetzt auf dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren. Das sei ein Verlust von freiberuflicher Existenz, wohnortnahen Arbeitsplätzen und Versorgung der Menschen vor Ort.
Die Ursache sei eindeutig: die anhaltende Unterfinanzierung der Apotheken. Das Fixum wurde seit 2013 nicht erhöht, die Gesamtvergütung sei in zwölf Jahren um rund 12 Prozent gestiegen. Dem stünden Kostensteigerungen, etwa für Personal, Miete und Energie, von 60 Prozent gegenüber. Dieses Auseinanderklaffen könnten viele Betriebe nicht länger schultern.
Hubmann erinnerte an den Dringlichkeitsantrag für eine Stärkung der Apotheken vor Ort, den die CSU-Fraktion im Landtag gestellt hatte, und dankte dem bayerischen Gesundheitsministerium für seine verlässliche Unterstützung.
Den oft angeführten Einwand, man könne die Apotheken nicht nach dem Gießkannenprinzip unterstützen, lasse er nicht gelten. Kürzungen würden auch für alle Betriebe gleichermaßen eingeführt. »Diesem Versuch der Spaltung – klein gegen groß, Stadt- gegen Landapotheke – erteilen wir eine klare Absage«, betonte der BAV-Chef. Jede Apotheke habe einen Versorgungsauftrag und damit einen Anspruch auf faire Vergütung. »Unsere Forderung ist und bleibt: Erhöhung des Fixums in einer Stufe spätestens zum 1. Juli 2026.«