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Covid-19

Keine Selbstversuche mit Corona-Impfstoffen

Weltweit läuft bei etlichen Instituten und Unternehmen die Suche nach einem geeigneten Impfstoff zum Schutz vor Corona. Einige Forscher testen ihren Kandidaten gleich an sich selbst – eine Gruppe von Wissenschaftlern warnt nun vor derlei Verhalten.
dpa
23.09.2020  16:00 Uhr

Schon mehrfach gab es in den vergangenen Wochen Fälle, in denen Forscher von ihnen entwickelte Corona-Impfstoffe an sich selbst testeten, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Derlei Selbstversuche müssten dringend reguliert werden, fordern nun Wissenschaftler aus den USA und Dänemark. Diese Form der Forschung werfe viele rechtliche und ethnische Fragen auf, erläutern sie im Fachmagazin «Science». Wenn diese nicht angegangen würden, könne das Vertrauen der Menschen in die Entwicklung sicherer Covid-19-Impfstoffe beeinträchtigt werden.

Mehrere Wissenschaftler in den USA haben eigenen Angaben zufolge bereits selbst zusammengemischte Corona-Impfstoffkandidaten am eigenen Körper ausprobiert. Unter anderem aus Russland und China gibt es ähnliche Berichte. Der Drang danach könne aus dem Irrglauben entstehen, dass Selbstversuche keinen zeitaufwendigen Überprüfungen und Regularien unterlägen, schreiben die Forscher um Christi Guerrini vom Baylor College of Medicine in der texanischen Metropole Houston. Das sei aber faktisch und rechtlich falsch. Die US-Arzneimittelbehörde FDA müsse ihre entsprechenden Regeln und ihre Autorität klarstellen. Andernfalls sei zu befürchten, dass in einer von Impfskeptizismus geprägten und hoch politisierten Pandemie das Vertrauen der Menschen in jeglichen wie auch immer entwickelten Impfstoff untergraben werde.

Für Schlagzeilen hatte zuletzt unter anderem das sogenannte Rapid Deployment Vaccine Collaborative (Radvac) gesorgt, zu dessen Unterstützern der Wissenschaftler George Church von der Elite-Universität Harvard zählt. Die Wissenschaftler haben eigenen Angaben zufolge einen Peptid-Impfstoff entwickelt, den man in die Nase spritzen soll. Rund 30 Menschen hätten das Präparat bereits an sich erprobt, sagte der beteiligte Forscher Preston Estep der «New York Times».

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