| Alexandra Amanatidou |
| 23.04.2026 18:00 Uhr |
Auch die Kommunikation zwischen den Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitssystem soll intensiviert werden. Eidenschink gab ein Beispiel aus dem Klinikalltag. Viele Krankenhäuser haben keine eigene Krankenhausapotheke, sondern sind mit externen Apotheken verbunden, die zwar Packungen liefern, aber keine Beratung anbieten. Dies soll sich ändern. Apothekerinnen und Apotheker sollen ihr Wissen nutzen und entweder ein bis zwei Tage vor Ort sein oder per VPN Zugriff auf die Patientinnen- und Patientendaten erhalten und zum Beispiel telefonisch mit der Ärzteschaft kommunizieren.
Laut Ravati entsteht durch die verpflichtende Eintragung der Daten in die elektronische Patientenakte (ePA) eine »gute Basis für eine Zusammenarbeit zwischen Ärzte- und Apothekerschaft«. Fuhrmann fügte hinzu, dass auch digitale Tools wie TIM die Kommunikation erleichtern können. Dabei handelt es sich um den seit Juli 2025 verfügbaren Instant-Messaging-Dienst TI-Messenger, der direkt in die ePA und die Apps der Krankenkassen integriert ist. Auch Apotheken und Krankenhäuser könnten die App benutzen, was jedoch bislang nicht flächendeckend der Fall ist.
Auch Ravati bekräftigte, dass gute digitale Lösungen notwendig sind. Die Gematik soll dabei die Infrastruktur bereitstellen, während IT-Dienstleister – wie sein eigenes Unternehmen – die Tools erstellen sollen. Denn Patientinnen und Patienten »brauchen Zeit und Zuwendung« in der Apotheke, sagte der Unternehmer und fügte hinzu: »Das geht aber nicht, wenn es digitale Barrieren gibt oder Zeit für administrative Aufgaben benötigt wird.«
Gute digitale Lösungen können lebensrettend sein und sollten von den Patientinnen und Patienten genutzt werden. »Nicht jeder hat seine Medikationsliste der letzten zehn Jahre parat. Sie ist aber für uns wichtig, um die richtigen Arzneimittel auswählen zu können«, sagte Ina Lucas. Als Mensch könne sie verstehen, dass nicht alle ihre Gesundheitsdaten preisgeben möchten. Diese seien dennoch nötig, denn »im Kontext einer guten Versorgung ist jedes kleine Detail lebensrettend«. Andernfalls werde falsch therapiert, was im Zweifel Menschenleben kosten könne. Deswegen müsse man den Menschen erklären, dass optimale Versorgung und geheime Informationen nicht zusammengehen.
Eidenschink gab ein Beispiel aus ihrem privaten Umfeld. Eine befreundete Person sei Raucherin und habe das Opt-Out-Verfahren genutzt, um keine ePA zu erhalten. Damit wollte die Person sicherstellen, dass die Krankenkasse ihre Informationen nicht erhält und ihr später Leistungen kürzt, weil sie Raucherin ist. Man könne dem Arzt oder der Ärztin zwar immer alle Informationen erzählen, »aber nicht, wenn man einen Unfall hat«, sagte die Fachapothekerin. Außerdem könnten Patientinnen und Patienten nicht immer genau erklären, welche Tabletten sie nehmen. So würden sie beispielsweise immer von »grünen Tabletten« sprechen, anstatt den Namen zu nennen, was die Arbeit von Apothekerinnen und Apothekern beeinträchtigt.
Der Gematik-Chef brachte ein neues Argument für die Freigabe von Daten ins Spiel: Die Datenverfügbarkeit sei zwar eine Entscheidung des Einzelnen, aber »wir sind in einem Solidarsystem und müssen uns gegenseitig helfen«. Wenn man Informationen verweigere, könnte sich die Behandlung dadurch verschlechtern, was sie auch teurer mache. In der jetzigen wirtschaftlichen Situation der Krankenkassen sei das nicht solidarisch.