Auch der britisch-schwedische Pharmakonzern Astra Zeneca zeigt sich von den jüngsten politischen Entwicklungen enttäuscht. Diese seien »ein deutlicher Rückschritt – gerade zu einer Zeit, in der der globale Wettbewerb um Forschung und Investitionen zunimmt«. Das Unternehmen führt aktuell eigenen Angaben zufolge über 120 aktive klinische Studien mit rund 880 Prüfzentren hierzulande durch.
Aus Sicht des Impfstoffherstellers sei ein »mutiges AMNOG 2.0« nötig. Außerdem bräuchte es ein »kohärentes Zusammenspiel« von Innovationszielen und Finanzierungsinstrumenten, damit die Pharmastrategie ihre volle Wirkung entfalten könne. Tatsächlich sorgt auch die noch nicht verabschiedete Pharmastrategie für Frustration. Vor gut einem Jahr hatten sich Vertreterinnen und Vertreter der Pharmaindustrie mit mehreren Ministerien im Kanzleramt zu einem Pharmadialog getroffen. Daraus hätte eigentlich eine Pharmastrategie entwickelt werden sollen. Bislang ist jedoch wenig passiert.
Der Pharmakonzern Fresenius begrüßt, dass die Gesundheitswirtschaft stärker als strategische Industrie wahrgenommen wird. »Jetzt kommt es auf die Umsetzung an«, teilt das Unternehmen der PZ mit. Die Politik soll laut Fresenius nicht alleine auf den niedrigsten Preis schauen, sondern auch »Qualität, Lieferfähigkeit und resiliente Lieferketten honorieren«. Der Konzern, der neulich seine Wachstumsprognose erhöht hat, teilt mit, in den vergangenen Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau und die Modernisierung seiner Produktionskapazitäten in Europa investiert zu haben, darunter auch in ein neues Innovationszentrum für medizinische Ernährung in Bad Homburg.
Der französische Pharmakonzern Sanofi hat kürzlich Investitionen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro für eine neue Insulinfabrik in Frankfurt am Main bekannt gegeben. Heißt das, dass er mit der Politik der Bundesregierung zufrieden ist? Nicht ganz.
»Dieses Investitionsprojekt wurde bereits vor mehr als zwei Jahren begonnen – lange vor dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das erhebliche Einschnitte für die Pharmaindustrie in Deutschland und für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit innovativen Arzneimitteln nach sich zieht«, teilt der Konzern auf Anfrage mit. Was zukünftige Investitionen angeht, stünden diese »durch dieses Gesetz erheblich unter Druck«. Ein »stabiler, verlässlicher politischer Rahmen« sei keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Ähnlich äußert sich auch Novartis. Das Schweizer Unternehmen, das angibt, die meisten klinischen Studien in Deutschland durchzuführen, baut aktuell einen Produktionsstandort für Radioligandentherapien in Halle auf. Gleichzeitig warnt es: »Wie sich unser Engagement in Deutschland weiterentwickelt, hängt von planbaren, langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen ab.«
Optimistisch in die Zukunft blickt hingegen Novo Nordisk: »Wir vertrauen darauf, dass die Bundesregierung mit verlässlichen und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen den flächendeckenden Zugang zu modernen Therapien erleichtert und zugleich die Prävention stärkt.« Der dänische Konzern hat eigenen Angaben zufolge von 2023 bis 2025 59 Millionen Euro in klinische Forschungen in Deutschland investiert. »Wir werden auch in Zukunft in Deutschland investieren und unser langfristiges Engagement fortsetzen, um die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes nachhaltig zu verbessern«, teilt das Unternehmen der PZ mit.
Ein weiterer Player im Gesundheitswesen ist das Pharmaunternehmen Merck, dessen Umsatz sich zuletzt sehr positiv entwickelte. Zwischen 2015 und 2025 hat es eigenen Angaben zufolge insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro an seinem Hauptsitz in Darmstadt investiert. Über aktuelle Investitionspläne machte das Unternehmen gegenüber der PZ keine Angaben.