Pharmazeutische Zeitung online
Politischer Live-Talk der Gehe

Kassen sollten für heilberufliche Kompetenz zahlen

Die neuen pharmazeutischen Dienstleitungen werden ausschlaggebend für die Zukunft der Apotheke sein. Darin waren sich die Abgeordneten beim gestrigen gesundheitspolitischen Live-Stream der Gehe Pharma Handel einig. Auch dem Großhandel stellten sie eine Modernisierung in Aussicht.
Jennifer Evans
29.10.2020  10:30 Uhr

Die Coronavirus-Pandmie hat die Arzneimittelversorgung verändert. Und auch das Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG) eröffnet der Branche neue Möglichkeiten etwa mit Blick auf zusätzliche pharmazeutische Dienstleitungen. Und dann kommt auch noch das E-Rezept als Gamechanger hinzu. Am Mittwochabend stellten sich die Abgeordneten Michael Hennrich (CDU), Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) und Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) den Fragen von PZ-Chefredakteur Benjamin Roher und diskutierten, wie für sie die Zukunft der Apotheken und der Arzneimittelversorgung aussieht.

Für Hennrich ist das VOASG auf jeden Fall »ein richtiges Signal» vonseiten der Politik. In seinen Augen hat nämlich unter anderem der schnelle Einsatz der Präsenzapotheken während der Coronavirus-Krise entscheidend dazu beitragen, dass die erste Welle hierzulande vergleichsweise glimpflich ablief. Bei den Versandapotheken hat er hingegen einen solch »substanziellen Beitrag« vermisst.

Rabattverträge aufweichen oder nicht? 

Lobende Worte für die Apotheker gab es auch von den Gesundheitsexpertinnen Aschenberg-Dugnus und Kordula Schulz-Asche. Während die FDP-Politikerin sich durchaus vorstellen kann, die derzeitige Aufweichung der Rabattverträge künftig beizubehalten, ist ihre Kollegin von den Grünen da skeptischer. Zur Erinnerung: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hatte es Apothekern für die Zeit der Pandemie ermöglicht, bei Nicht-Lieferbarkeit auch ein lieferbares, wirkstoffgleiches Präparat abgeben zu dürfen. In Deutschland gibt es laut Gehe derzeit rund 29.000 solcher Verträge.

Schulz-Asche aber hält die Rabattverträge an sich für gerechtfertigt, um im Gesundheitssystem die Kosten in Schach zu halten und die Vielfalt in der Arzneimittelversorgung zu erhalten. Wesentlich zentraler für sie ist es, dass der Apotheker in Zukunft mit seiner fachlichen Expertise patientenorientierte Entscheidungen treffen kann, wenn es um die Arzneimittelabgabe geht. Die heilberuflichen Kompetenzen sieht sie ohnehin als das größte Potenzial für den Berufsstand. Die Grünen können sich »ganz viel vorstellen«, was die Vor-Ort-Apotheke künftig leisten könnte. Als Beispiel nennt Schulz-Asche neben Aufgaben rund um das Medikationsmanagement auch Asthma- und Diabetes-Schulungen. Digitale Plattformen können dies ihrer Auffassung nach nicht leisten. 

Aschenberg-Dugnus geht in diesem Punkt mit ihr d'accord. »Die pharmazeutische Beratung sollte den Kassen etwas wert sein«, betonte sie. Bevor die Apotheken die zusätzlichen pharmazeutischen Dienstleistungen, wie sie im VOASG vorgesehen sind, auch abrechnen können, müssen sie sich jedoch mit den Kassen erst auf entsprechende Konditionen einigen. Da die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP nach eigenen Angaben auch beim pharmazeutischen Nachwuchs großes Interesse an dem neuen Aufgabengebiet beobachtet hat, appellierte sie an die Apotheker, ihre Ideen auch umzusetzen.

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