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Insolvenzverfahren

Kammer fordert KfW-Kredite für AvP-Apotheken

Die Pleite des Rechenzentrums AvP hat viele Apotheken in eine finanzielle Krise gestürzt. Nun drängt die Apothekerkammer Nordrhein auf staatliche Überbrückungskredite der KfW. Zudem müssten die Krankenkassen für die im September abgerechneten Rezepte pünktlich zahlen.
Stephanie Schersch
30.09.2020  10:36 Uhr

Vor rund zwei Wochen hatte die AvP Deutschland GmbH einen Insolvenzantrag gestellt. Wie verheerend die Folgen dieser Pleite für viele Apotheken sind, wird immer deutlicher. Deutschlandweit sollen rund 3000 Offizinen betroffen sein, die im Schnitt auf 120.000 Euro warten, die AvP bislang nicht ausgezahlt hat. Zuletzt war immer wieder der Ruf nach staatlicher Unterstützung laut geworden. Auch die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) drängt nun auf zinsfreie Überbrückungskredite der KfW.

Dabei sieht die Kammer durchaus die Arzneimittelversorgung der Menschen in Gefahr. Diese sei eine staatliche Aufgabe, heißt es. Zugleich seien Apotheker jedoch Kaufleute und hafteten damit persönlich für ihren Betrieb. Nun allerdings müssten sie für Versäumnisse die Haftung übernehmen, die andernorts entstanden seien. Rund 20 Prozent der Apotheken steckten in einer existenzbedrohlichen Situation. Zwischen 250 und 300 Millionen Euro sollen der AKNR zufolge auf AvP-Konten eingefroren sein. Bis alle rechtlichen Fragen geklärt seien, könnten jedoch Jahre vergehen, so die Kammer. Die Apotheker seien schlichtweg nicht in der Lage, diese Beträge für die Dauer des Verfahrens vorzufinanzieren. »Das A und O ist die Liquidität«, sagte AKNR-Präsident Armin Hoffmann. Sie sei nötig, damit die Apotheker ihren staatlichen Gemeinwohlauftrag weiterhin erfüllen könnten. Zinsfreie Kredite seien daher wichtig.

Darüber hinaus forderte die Kammer die Krankenkassen auf, für die im Monat September abgerechneten Rezepte pünktlich und vollständig zu zahlen. Zuletzt hatte der Apothekerverband Nordrhein berichtet, mit den Krankenkassen über eine Art Sonderweg für die von der AvP-Pleite betroffenen Apotheken zu verhandeln. Demnach sollen sie über ihre neuen Rechenzentren für den Monat September abweichend eine Abschlagszahlung erhalten, die sich an den Abrechnungen aus den Monaten Juli beziehungsweise August orientieren soll. Auch der Deutsche Apothekerverband führt demnach mit den Ersatzkassen entsprechende Gespräche.

Der Bundesverband der Apothekenkooperationen (BVDKA) spricht sich ebenfalls für eine Art staatlichen Rettungsschirm mithilfe von KfW-Krediten aus. Verbandschef Stefan Hartmann kritisierte darüber hinaus einen grundsätzlichen Systemfehler. Ausfallrisiken der Abrechnungsunternehmen dürften künftig nicht mehr auf die Einzelapotheken abgewälzt werden, sagte er. »Kommt es bei den großen Playern im Markt zu finanziellen Problemen, ohne dass die Apotheken auch nur ansatzweise Schuld daran hatten, kann der Einzelbetrieb Apotheke mit seinen verbliebenen Gewinnspannen die Verluste solcher Ausfälle nicht verkraften.« Die Politik müsse daher entweder die Honorare der Apotheker anheben oder aber mit angepassten Vorschriften finanziell einspringen, so Hartmann.

Auch die Linksfraktion im Bundestag hatte zuletzt staatliche Kredite für Apotheker gefordert. Je nach Ausgang des Insolvenzverfahrens sollte demnach entschieden werden, ob die Apotheker die Darlehen zurückzahlen müssen oder erlassen bekommen.

 

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