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Glaukomtherapie

Jeder mmHg zählt

Betablocker Nummer 1 in der Ophthalmologie ist Timolol. Nachteilig ist das Fördern von Augentrockenheit, über die vor allem Frauen ab der Menopause klagen, die sowieso häufig unter trockenen Schleimhäuten leiden. Kontraindiziert sind Betablocker bei Asthma und Herzrhythmusstörungen. Bei Diabetespatienten könne es zu unbemerkten Hypoglykämien kommen, konstatierte Rehfueß. Um die systemische Wirkung infolge des Abflusses über die Tränenabflusskanäle zu drosseln, solle der Patient nach dem Tropfen für circa eine Minute den inneren Augenwinkel zudrücken.

Carboanhydrase-Hemmer wie Dorzolamid und Brinzolamid senken nicht nur den IOD, sondern steigern die Durchblutung am Auge. Nebenwirkungen sind brennende Augen und bitterer Geschmack im Mund, da das Enzym Carboanhydrase auch in den Geschmackspapillen der Zunge vorkommt und dort gehemmt wird.

Erst in fortgeschrittenen Stadien – wenn der Patient einen Leidensdruck entwickelt – sollten α2-adrenerge Agonisten zum Einsatz kommen. »Deren häufigen Nebenwirkungen wie auffällige Bindehautrötungen und -reizungen werden sonst nicht toleriert«, so die Referentin.

Die effektivsten Drucksenker sind Prostaglandin-Analoga wie Latanoprost und Bimatoprost. Sie senken den IOD um etwa 30 Prozent und werden meist zur Erstbehandlung verordnet. Sie werden einmal täglich abends appliziert und wirken antioxidativ. Als Nebenwirkungen zeigen sich konjunktivale Hyperämie (gerötetes Auge), vermehrtes Wachstum der Wimpern sowie vermehrte Pigmentierung der Iris und der periokulären Haut. Zudem wirken sie entzündungsfördernd und dürfen nicht bei chronischer Entzündung im Auge, zum Beispiel bei Makulaödem, gegeben werden.

Nur noch beim Engwinkelglaukom und im Glaukomanfall werden Miotika wie Pilocarpin eingesetzt. Die starke Pupillenverengung, die die Sehschärfe und das Dämmerungssehen beeinträchtigt, sei für jüngere Patienten nicht akzeptabel.

Alarmzeichen eines Glaukomanfalls

Wachsam sein sollte das Apothekenteam, wenn Kunden mit einem hoch roten und extrem harten Augapfel sowie starken Schmerzen, die in den Kopf hineinstrahlen, in die Apotheke kommen. Dies kann ein Glaukomanfall (akutes Winkelblockglaukom) sein. Hier kann der IOD akut auf 40 bis zu 80 mmHg steigen und irreversiblen Schaden am Sehnerven auslösen. »Sie müssen sofort handeln und den Patienten direkt zum Augenarzt oder in die Klinik schicken.« Rehfueß empfahl, Patienten mit Glaukomanfall Miotika oder Carboanhydrase-Hemmer ins Auge zu tropfen, um den Druck rasch zu senken. »Damit kann man nicht schaden.«

Geplatzte Äderchen im Auge seien dagegen kein Zeichen für ein Glaukom. Es handle sich eher um »brüchige« Gefäße in der Bindehaut, die beim Reiben platzen können. Auch Schmerzen und Druckgefühl am Auge kämen sehr selten von einem erhöhten IOD. Ein Druckgefühl weise meist auf trockene Augen hin.

Zur begleitenden Glaukomtherapie empfahl die Augenärztin Coenzym Q10 (lokal) und die Zufuhr von Vitamin C und E, Zink, Selen, Omega-3-Fettsäuren und Glutathion zur Steigerung der antioxidativen Kapazität. Citicolin, eine Vorstufe von Acetylcholin, wirke neuroprotektiv beim Offenwinkelglaukom. Wichtig sei zudem, vaskuläre Grunderkrankungen zu behandeln.

Ihr Fazit: »Das Glaukom ist eine multikausale Erkrankung mit oxidativem Schaden und vaskulärer Dysregulation, die vermutlich im direkten Zusammenhang mit psychischem Stress steht.« Daher könne Stressreduktion dazu beitragen, die Durchblutung zu steigern und den körpereigenen antioxidativen Schutz zu verbessern.

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