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Topische Arzneiformen
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Innovationen auf der Haut

Nano- und Mikropartikel oder Vesikel in topischen Arzneiformen, Mikronadelsysteme und elektrogesponnene Wundauflagen: Es wird viel geforscht an neuartigen Darreichungsformen, die Wirkstoffe auf und in die Haut bringen sollen. Was können die neuen Systeme?
AutorKontaktRolf Daniels
Datum 29.03.2026  08:00 Uhr

Topika gehören zu den ältesten Arzneiformen überhaupt, aber es gibt immer noch technologische Herausforderungen. Unabhängig davon, ob eine lokale oder eine systemische Wirkung gewünscht ist, gilt es, die Hautbarriere kontrolliert zu überwinden und eine ausreichende Verweildauer des Wirkstoffs am Applikationsort zu erreichen.

Eine große Hürde ist das Stratum corneum (SC), das die Penetration und Bioverfügbarkeit topisch applizierter Wirkstoffe durch seine ausgeprägte Barrierefunktion maßgeblich einschränkt. Zudem ist die Wirkdauer konventioneller halbfester Darreichungsformen wie Salben, Cremes und Gele aufgrund ihrer geringen Substantivität begrenzt (Kasten). Neuartige Trägersysteme sollen über längere Zeit an der Haut verbleiben.

Filmbildende Formulierungen

Sonnenschutzmittel sollen die enthaltenen UV-Filter möglichst lange auf der Haut fixieren – selbst beim Schwimmen oder Schwitzen. Früher wurden vorwiegend lipophile Formulierungen eingesetzt, die bei den Verbrauchern jedoch wenig beliebt waren. Moderne Formulierungen mit wässriger Außenphase nutzen Polymere, die nach dem Auftragen ein Netzwerk auf der Haut bilden und die Filtersubstanzen am Applikationsort fixieren. Um einen übermäßigen Anstieg der Viskosität durch die Polymere zu vermeiden, können diese als wässrige Dispersionen zugesetzt werden.

Solche Systeme sind in der pharmazeutischen Technologie aus dem Bereich der Tablettenüberzüge bekannt. Die speziell für kosmetische Anwendungen entwickelten Polymerprodukte sind allerdings nicht in Pharmaqualität verfügbar und damit für den Einsatz in Arzneimitteln nicht geeignet.

Dennoch lässt sich dieses Konzept auf halbfeste Darreichungsformen übertragen, wie die Arbeitsgruppe von Professorin Dr. Dominique Lunter (Tübingen) am Beispiel einer retardiert freisetzenden Nonivamid-Formulierung zeigen konnte. Nonivamid muss zur Behandlung eines chronischen Pruritus bis zu sechsmal täglich in niedriger Konzentration appliziert werden. Dies ist eine Herausforderung für den Patienten und gefährdet den Therapieerfolg erheblich.

Eine galenische Lösung beruht auf der Einlagerung einer öligen Nonivamid-Lösung in einen porösen Träger und dessen Einarbeitung in eine Polymerdispersion, wie sie auch zur Herstellung von Retard-Filmüberzügen verwendet wird und in pharmazeutischer Qualität verfügbar ist.

Eine solche filmbildende Formulierung verlängert – bei nachgewiesen sehr guter Hautverträglichkeit – die Wirkstofffreisetzung, da der entstehende Film die Abgabegeschwindigkeit kontrolliert und gleichzeitig eine hohe Substantivität hat. Damit bietet diese Applikationsform die Vorteile eines (trans)dermalen Pflasters, ohne in Größe oder Form der Applikationsfläche limitiert zu sein. Wie bei Pflastersystemen resultiert eine verlängerte Wirkstoffverfügbarkeit am Wirkort, die typischerweise eine einmal tägliche Applikation erlaubt: eine deutliche Erleichterung für die Patienten und ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Adhärenz.

Als erwünschter Nebeneffekt reduziert der adhäsive Film das Abwaschen sowie die Übertragung des Wirkstoffs auf Textilien oder nicht betroffene Hautareale signifikant. Dieses Prinzip könnte auch für topische Diclofenac-Zubereitungen vorteilhaft sein, um den unerwünschten Ab- und Eintrag des Wirkstoffs in die Umwelt zu reduzieren.

In zugelassenen Arzneimitteln findet man dieses Konzept bislang nicht, da es sich nur bedingt patentieren lässt und daher für eine kommerzielle Verwertung wenig attraktiv ist. In der Apothekenrezeptur könnte es jedoch durchaus genutzt werden.

Während filmbildende Formulierungen den Wirkstoff auf der Hautoberfläche in einem Depot bereitstellen, aus dem er kontrolliert in die Haut penetriert, zielen nano- und mikropartikuläre Systeme darauf ab, den Wirkstoff zunächst über oder in die Hautbarriere – das Stratum corneum – zu transportieren, um dort eine gezielte Wirkstofffreisetzung beziehungsweise Depotbildung zu ermöglichen.

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