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Ankündigung

Inhalatives Remdesivir wird getestet

Die Firma Gilead kündigt eine Phase-I-Studie mit Remdesivir zur Inhalation an. Sollten die Tests erfolgreich verlaufen, könnte die inhalative Anwendung einen früheren Einsatz des Virustatikums bei Covid-19-Patienten ermöglichen.
Annette Rößler
25.06.2020  12:08 Uhr
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Gilead-Chef Daniel O'Day schätzt offenbar das Kommunikationsmittel des offenen Briefes. Nachdem er bereits Ende April auf diesem Weg über die Pläne seiner Firma mit Remdesivir bei Covid-19 informiert hatte, gibt er der Öffentlichkeit nun ein Update über denselben Kanal. Man habe von der Aufsichtsbehörde FDA grünes Licht für Studien mit einer »inhalativen Version« von Remdesivir erhalten, berichtet O'Day. Die Rekrutierung gesunder Freiwilliger für eine Phase-I-Studie beginne noch diese Woche, eine erste Studie mit Covid-19-Patienten starte voraussichtlich im August.

Ob es sich bei der »inhalativen Version« tatsächlich um Remdesivir oder den aktiven Metaboliten GS-441524 handelt, für den Gilead ebenfalls das Patent hält, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Wie dem auch sei: Sollte es der Firma tatsächlich gelingen, eine inhalative Darreichungsform des Virustatikums zu entwickeln, könnte das für die Therapie von Covid-19-Patienten erleichtern. Bislang muss Remdesivir intravenös verabreicht werden. Ein möglicher Remdesivir-Inhalator würde insbesondere die Anwendung früh im Krankheitsverlauf einfacher machen, die laut den bisherigen Ergebnissen wohl am meisten Nutzen bringt. Zu diesem Zeitpunkt werden viele Patienten noch ambulant betreut, was eine Infusionstherapie schwierig macht.

Was Gilead mit Remdesivir noch so vorhat

O'Day geht in dem Brief auch auf weitere Pläne ein, die Gilead mit dem Wirkstoff hat. So soll neben der neuen Darreichungsform auch die intravenöse Gabe im frühen Krankheitsverlauf getestet werden, und zwar in sogenannten Infusionszentren und in Pflegeheimen. Zudem würden in bereits laufenden Studien die Kombination von Remdesivir einerseits mit dem IL-6-Antagonisten Tocilizumab und andererseits mit dem JAK-Kinasehemmer Baricitinib geprüft. Diese Ansätze seien vielversprechend, da in späteren Krankheitsphasen von Covid-19 vor allem die Immunantwort des Patienten auf das Coronavirus Probleme bereite, während es in der Frühphase eher der Erreger selbst sei. Nach den positiven Berichten zu Dexamethason bei Covid-19-Patienten werde nun auch das Steroid als Kombinationspartner untersucht.

Auch bestimmte vulnerable Bevölkerungsgruppen will Gilead O'Day zufolge gezielt in den Blick nehmen. Demnach steht der Beginn einer klinischen Studie mit Kindern kurz bevor. Geplant sei, dass an der Studie 50 Kinder vom Neugeborenen- bis zum Jugendlichen-Alter teilnehmen, die aufgrund von Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden. Darüber hinaus werde Remdesivir nun auch bei schwangeren Frauen und bei Patienten mit schwerer Nierenschädigung getestet. Eine sehr schlechte Nierenfunktion (eGFR <30 ml/min) stellt momentan noch eine Kontraindikation für Remdesivir dar. Um genügend Wirkstoff bereitzustellen, habe Gilead seine Produktionskapazitäten für Remdesivir erhöht und könne bis Ende des Jahres den Bedarf für mehr als 2 Millionen Therapien produzieren.

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