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Verwandtschaft ersten Grades

Remdesivir-Metabolit noch schärfere Waffe gegen Covid-19?

Der Wirkstoff Remdesivir wird in vielen Covid-19-Studien getestet. Möglicherweise hat Hersteller Gilead noch ein zweites Eisen im Feuer. Einige halten es für ein noch heißeres. Am Namen, GS-441524, kann man ja noch arbeiten.
Sven Siebenand
15.05.2020  13:38 Uhr

Bereits Ende April hatte Gilead-Chef Daniel O´Day in einem offenen Brief über Remdesivir informiert. Darin sprach er auch an, dass das Unternehmen an anderen Formulierungen und Applikationswegen arbeitet. Remdesivir wird bisher nur intravenös verabreicht. Was seine Firma genau im Köcher hat, verriet O´Day in dem Brief nicht. Möglicherweise sind es Anspielungen auf einen Remdesivir-Verwandten, für den Gilead ebenfalls Patentinhaber ist: GS-441524.

Auf der Nachrichten-Website »Stat News« brechen zwei Wissenschaftler von der University of Texas jetzt jedenfalls eine Lanze für GS-441524 und schlagen vor, dass Gilead auch diesen Kandidaten weiter vorantreiben sollte. Zum Hintergrund: Remdesivir ist ein Prodrug. Nach fünf Schritten ist im Körper die aktive Substanz gebildet, die als Polymerase-Hemmstoff wirksam ist. Erster Schritt ist die Bildung des intermediären Metaboliten GS-704277. Daraus wird im nächsten Schritt der Hauptmetabolit, der dann nach drei Phosphorylierungen zum wirksamen Triphosphat wird. Der Name dieses Hauptmetaboliten ist besagtes GS-441524. Das heißt, man könnte in der Reaktionskette an dritter Stelle einsteigen, wenn GS-441524 direkt verabreicht wird. Die Chemiker der US-amerikanischen Universität führen in ihrem Beitrag gleich mehrere Gründe auf, die dafür sprechen würden.

Zum einen blicken sie mit Sorge auf die komplexe Herstellung von Remdesivir, vor allem hinsichtlich einer potenziell notwendigen Massenproduktion. Die Synthese von Remdesivir laufe über sieben Zwischenstufen, jene von GS-441524 nur über drei. Vorteile sehen sie auch in der Tatsache, dass GS-441524 besser wasserlöslich ist als Remdesivir und insgesamt ein kleineres Molekül. Sie halten es für möglich, damit auch ein Präparat zu entwickeln, das inhaliert werden kann, was zu einer hohen pulmonalen Deposition führen würde. Neben weniger systemischen Nebenwirkungen würde das auch die Wirkstoff-Konzentration in Lungenzellen erhöhen.

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