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Moderna-Chef

Impfstoffe vermutlich schlecht gegen Omikron wirksam

Stéphane Bancel, der CEO des Impfstoffherstellers Moderna, sagt für die zugelassenen Covid-19-Impfstoffe eine deutlich verringerte Wirksamkeit gegen die neue Omikron-Variante von SARS-CoV-2 voraus. Bis angepasste Impfstoffe in relevantem Ausmaß produziert seien, werde es Monate dauern.
Christina Hohmann-Jeddi
30.11.2021  16:00 Uhr

Seit Donnerstag vergangener Woche häufen sich die Berichte zu einer neu identifizierten SARS-CoV-2-Variante, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend eingestuft wurde und den Namen Omikron erhielt. Diese fällt durch eine hohe Zahl an Mutationen auf, die auch das Spike-Protein des Virus betreffen – das Zielantigen aller bisher in der EU zugelassenen Impfstoffe. Obwohl noch keine Daten zur Schutzwirkung der Impfstoffe gegen die neue Variante vorliegen, rechnet Bancel mit einem deutlichen Wirksamkeitsverlust.

»Das wird ein erheblicher Rückgang sein«, sagte er der Zeitung »Financial Times« (30. November). Genau abschätzen lasse sich der Wirksamkeitsverlust der Impfstoffe gegen Omikron bislang noch nicht, hier müssten die entsprechenden Untersuchungen abgewartet werden. Doch alle Wissenschaftler, mit denen er gesprochen habe, seien pessimistisch, berichtet der Moderna-Chef.

Sorge bereite, dass 32 der 50 Mutationen der Omikron-Variante das Spike-Protein beträfen, gegen das die impfinduzierte Immunantwort gerichtet sei, heißt es in dem Bericht weiter. Mit einer solch stark mutierten Variante habe man nicht in den kommenden ein bis zwei Jahren gerechnet, so Bancel.

Das Unternehmen habe bereits am 25. November mit der Arbeit an einem angepassten Impfstoff gegen die Omikron-Variante begonnen, sagte der medizinische Chef des Pharmakonzerns, Paul Burton, am Sonntag in einem BBC-Interview. Hunderte seiner Mitarbeiter hätten nach ersten Veröffentlichungen zur Mutante direkt angefangen, an einer entsprechenden Anpassung des Coronaimpfstoffs zu arbeiten. Er rechne damit, dass dieser Anfang 2022 in großem Maßstab hergestellt werden könnte, falls dies nötig würde. Wie auch der Coronaimpfstoff von Biontech/Pfizer (Comirnaty®) gehört die Vakzine von Moderna (Spikevax®) zu den mRNA-Impfstoffen, deren Anpassung an neue Varianten als relativ gut machbar gilt.

Ähnlich äußerte sich auch Bancel in der »Financial Times«. Ihm zufolge werde es Monate dauern, bis der angepasste Covid-19-Impfstoff in relevanten Mengen produziert werden könne. Realistisch sei die Produktion von einer Milliarde Impfdosen bis zum Sommer 2022 bei einer Gesamtmenge von zwei bis drei Milliarden Dosen für das kommende Jahr. Die gesamte Produktion auf den angepassten Impfstoff umzustellen, hält Bancel aber für riskant, solange noch andere Varianten im Umlauf sind. Für die Übergangszeit könne es sinnvoll sein, vulnerable Personen mit effizienten Boostern zu versorgen.

Das Unternehmen untersucht nach eigenen Angaben zwei multivalente Booster-Kandidaten in der Klinik, die auch mRNA für Spike-Varianten enthalten, in denen einige der Mutationen der Omikron-Variante schon zu finden sind. Auch Biontech und Pfizer untersuchen die Impfeffizienz ihres Impfstoffs gegen die Omikron-Variante. Die Laborergebnisse werden in Kürze erwartet.

Die Unternehmen hatten am 26. November mitgeteilt, schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen zu haben, um im Fall des Auftauchens einer Immunflucht-Variante den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anpassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen ausliefern zu können. Dafür seien klinische Studien mit »variantenspezifischen Impfstoffen« gestartet worden, um Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit zu erheben. Diese könnten im Fall einer Anpassung bei den Behörden als Musterdaten vorgelegt werden.

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