| Theo Dingermann |
| 22.04.2026 16:20 Uhr |
Virusinfektionen, die von Mücken übertragen werden, gewinnen weltweit an Bedeutung. Deshalb hat die Entwicklung von Impfstoffen eine hohe Priorität. / © Getty Images/Oleh Tsyb / 500px
Die Impfstoffentwicklung gegen Viren, die von Stechmücken und anderen Arthropoden übertragen werden (Arbovirusinfektionen), steht vor einem historischen Wendepunkt. Denn der Bedarf derartiger Impfstoffe wächst dramatisch. Schätzungsweise sind derzeit 5,5 Milliarden Menschen – rund zwei Drittel der Weltbevölkerung – einem Infektionsrisiko durch Dengue, Chikungunya und/oder Zika ausgesetzt. Treiber dieser Ausbreitung sind der Klimawandel, das rasante Städtewachstum und die globale Mobilität.
Den größten Handlungsdruck erzeuge dabei Dengue, heißt es in einem aktuellen Beitrag auf der Seite »Nature News«. Im Jahr 2024 wurden weltweit knapp 14,5 Millionen Fälle gemeldet, ein Rekordwert, wobei die tatsächliche Zahl durch hohe Dunkelziffern wohl noch deutlich höher liege. Die besondere immunologische Komplexität des Denguevirus, das in die vier distinkten Serotypen DENV1 bis 4 unterteilt ist, hatte den ersten zugelassenen Impfstoff Dengvaxia™ zum Scheitern gebracht, da er bei seronegative Personen das Risiko schwerer Verläufe erhöhte.
Der Impfstoff Qdenga® bietet einen guten Schutz vor den Serotypen DENV1, DENV2 und DENV4, jedoch nicht vor DENV3. Obwohl er somit noch keine Ideallösung darstellt, wird sein verstärkter Einsatz von Reisemedizinern empfohlen.
Mit dem quadrivalenten Kandidaten V181 befindet sich ein weiterer Impfstoff in einer der bisher umfangreichsten Dengue-Impfstoffstudien. Für die Phase-III-Studie MOBILIZE-1 wurden etwa 12.000 Probanden im Alter von 2 bis 17 Jahren in mehreren Ländern Südostasiens sowie Puerto Rico rekrutiert, um einen Nachweis der Wirksamkeit gegen alle vier Serotypen bei sowohl seropositiven als auch seronegativen Teilnehmern zu erbringen.
Chikungunya rückt zunehmend unter dem Gesichtspunkt chronischer Morbidität ins Bewusstsein. Ein substanzieller Anteil der Infizierten entwickelt eine entzündliche Arthritis, die jahrelang persistieren kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erwägt daher eine Umbenennung dieser chronischen Folgen der Infektion in »Long Chikungunya«, um die Krankheitslast vergleichbar zum Post-Covid-Diskurs zu kommunizieren.
Zwei Impfstoffe haben inzwischen die Zulassung erreicht, Ixchiq® und Vimkunya®, allerdings auf Basis von Surrogatendpunkten mit nachgelagerter Bestätigungspflicht. Parallel dazu zeigen mRNA-basierte Chikungunya-Kandidaten aus der Forschungsgruppe der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften im Tiermodell vielversprechende kreuzlinienspezifische Neutralisierung.