| Annette Rößler |
| 14.04.2026 16:20 Uhr |
Auch wenn vor der Abreise in ein Dengue-Endemiegebiet weniger Zeit bleibt als drei Monate, sollte noch mit Qdenga geimpft werden, empfiehlt jetzt die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR). / © Getty Images/nodramallama
Zum Schutz vor Denguefieber steht in Deutschland seit 2022 der Impfstoff TAK-003 (Qdenga®) zur Verfügung. Es handelt sich um einen attenuierten DEN2-Virus basierenden, tetravalenten Lebendimpfstoff, der gegen alle Denguevirus-Serotypen (DENV1 bis 4) gerichtet ist. Laut Zulassung können Personen ab vier Jahren mit Qdenga geimpft werden. Das Impfschema besteht aus zwei subkutanen Impfungen in einem Abstand von mindestens drei Monaten.
Erstinfektionen mit dem Denguevirus verlaufen meist mild oder symptomlos. Bei einer wiederholten Infektion kann es dagegen durch einen immunologischen Mechanismus namens Antibody-Dependent Enhancement (ADE) zu schwereren Krankheitsverläufen kommen. Das Risiko eines ADE besteht theoretisch auch nach einer Dengueimpfung – der zwischenzeitlich verfügbare zweite Impfstoff Dengvaxia™ wurde aus diesem Grund in der EU wieder vom Markt genommen.
Aus Vorsicht vor einem ADE empfiehlt die STIKO die Impfung mit Qdenga derzeit nur für Personen ab vier Jahren, die bereits eine laborbestätigte Dengueinfektion durchgemacht haben und in ein Endemiegebiet reisen. »Dieses Argument war zum Zeitpunkt der Empfehlung 2023 nachvollziehbar – auf Basis der heutigen Datenlage ist es jedoch nicht mehr haltbar«, wird Professor Dr. Tomas Jelinek, Präsident der DFR, in einer Pressemitteilung der Fachinformation zitiert.
»Mittlerweile kann mit hoher Sicherheit festgestellt werden, dass ein mögliches ADE mit gegebenenfalls schweren Verläufen bei Erkrankung nach einer Impfung nicht zu erwarten ist«, stellt die Fachgesellschaft in einer aktuellen Stellungnahme fest. Sie spricht sich deshalb dafür aus, Qdenga abweichend von der STIKO-Empfehlung allen gefährdeten Personen ab vier Jahren als Reiseimpfung anzubieten.
Zudem sei es auch dann sinnvoll zu impfen, wenn vor Reiseantritt nicht mehr genügend Zeit für beide empfohlenen Impfdosen bleibt. Die Schutzrate nach einmaliger Impfung mit Qdenga sei nahezu gleich hoch wie nach zweimaliger Impfung (81 versus 80,4 Prozent). »Wir brauchen eine Empfehlung, die sich an Evidenz und Versorgungsrealität orientiert«, so Jelinek.
Einen Schwachpunkt hat Qdenga allerdings, nämlich einen unzureichenden Schutz vor Infektionen mit dem Serotyp DENV3. In Studien habe gegen DENV3 bei Seronegativen keine anhaltende Wirksamkeit nachgewiesen werden können, schreibt die DFR. Auch wenn Qdenga aus diesem Grund noch nicht die Ideallösung sei, seien die Schutzraten gegen die anderen drei Serotypen auf einem vergleichbaren Niveau vieler anderer Reiseimpfungen. Die Impfung gegen die vergleichsweise häufige importierte Infektionskrankheit, »die in Deutschland deutlich mehr Menschen betrifft als beispielsweise eine FSME-Infektion«, solle daher breiter eingesetzt werden als bisher.