| Christina Hohmann-Jeddi |
| 29.06.2026 15:30 Uhr |
Auch der Blutdruck hat einen Einfluss auf das Risiko für Alzheimer-Demenz. Wie eine aktuelle Analyse zeigt, scheint sich eine Hypotonie negativ auf die Hirngesundheit auszuwirken. / © Getty Images/J_art/Jelena Živković
Wie sind verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) mit dem Risiko, Alzheimer-Demenz zu entwickeln, verbunden? Dieser Frage ging ein Forschungsteam um Aili Toyli von der Michigan Technological University in Houghton nach. Für die Analyse wertete das Team Gesundheitsdaten aus zwei großen Kohorten aus: von mehr als 502.000 Menschen aus der UK Biobank und von fast 290.000 Menschen aus dem All of Us Research Program in den USA.
Die Forschenden untersuchten die Zusammenhänge zwischen dem Alzheimer-Risiko und zehn HKE sowie deren Risikofaktoren wie Hypertonie, Hypotonie, Arrhythmien, Lungenembolie oder Herzinsuffizienz. Die Ergebnisse sind im »Journal of the American Heart Association« erschienen.
»Da es sich bei beiden Erkrankungen um chronische, langwierige Krankheiten handelt, ist es schwierig, den Zusammenhang zwischen ihnen zu entwirren«, sagt Toyli in einer Mitteilung der Universität. »In dieser Studie haben wir uns insbesondere mit verschiedenen Arten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen befasst und untersucht, welche dieser Unterarten den stärksten Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit aufweisen.«
Der Analyse zufolge waren die meisten HKE und Risikofaktoren in beiden Kohorten mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko assoziiert. Die stärkste Verbindung zeigte sich bei Menschen mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie): In der UK Biobank erkrankten Betroffene rund dreimal so häufig an Alzheimer wie Personen ohne Hypotonie. In der US-Kohorte war das Risiko nahezu doppelt so hoch.
Auch Bluthochdruck erwies sich als bedeutender Risikofaktor. Menschen mit Hypertonie hatten in beiden Datensätzen ein etwa 1,6-fach erhöhtes Alzheimer-Risiko. Nach einem Schlaganfall lag das Risiko je nach Datenbank um das 1,5- bis 1,85-Fache höher. Vorhofflimmern war ebenfalls mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. Beim Herzinfarkt gab es dagegen keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit Alzheimer.
Bis jetzt erhalte die Hypotonie weniger Aufmerksamkeit als die Hypertonie, sagt Toyli. Mehr Forschung sei nötig, um die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen aufzuklären Die Forschenden vermuten, dass eine gestörte Durchblutung des Gehirns eine zentrale Rolle spielt. Erhält das Gehirn über längere Zeit zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, könnten sich krankhafte Eiweißablagerungen wie β-Amyloid und Tau leichter ansammeln – typische Merkmale der Alzheimer-Erkrankung.
Darüber hinaus identifizierten die Wissenschaftler genetische Gemeinsamkeiten zwischen HKE und Alzheimer. Bestimmte DNA-Abschnitte standen mit beiden in Verbindung und könnten auf gemeinsame biologische Mechanismen hinweisen.
Die Studie hat aber Limitationen. Da sie auf Beobachtungsdaten basiert, erlaubt sie keine Aussagen über Ursache und Wirkung. Die ausgewerteten Daten wurden zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben, sodass offen bleibt, welche Erkrankung der anderen vorausging. Die Ergebnisse zeigen aber, wie eng die Gesundheit von Herz und Gefäßen mit der Hirngesundheit zusammenhängen.