| Juliane Brüggen |
| 13.07.2026 15:00 Uhr |
Bei Morbus Addison verspüren Betroffene oft eine stark ausgeprägte Erschöpfung und nehmen ungewollt Gewicht ab. / © Getty Images/Maria Korneeva
»Morbus Addison ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Antikörper gegen die eigenen Nebennieren entwickelt, mit der Folge einer Unterfunktion der Nebennieren«, erklärte Privatdozentin Dr. Birgit Harbeck, Mediensprecherin der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Fachgesellschaft mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Autoimmunität sei in westlichen Ländern in 80 bis 90 Prozent Ursache dieser primären Insuffizienz der Nebennierenrinde. Grundsätzlich ist Morbus Addison mit einer Häufigkeit von 126 Fällen pro 1 Million Menschen selten, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer (Verhältnis 1,5:1).
Die Nebennieren, die kappenförmig auf den oberen Polen der Nieren sitzen, sind endokrine Drüsen. Während im Mark Katecholamine wie Adrenalin und Noradrenalin gebildet werden, produziert die Rinde Steroidhormone, darunter das Glucocorticoid Cortisol, das Mineralocorticoid Aldosteron und Dehydroepiandrosteron (DHEA), Ausgangssubstanz für Sexualhormone.
Die Hormone regulieren wichtige Körperfunktionen. Aldosteron ist etwa an der Steuerung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts und des Blutdrucks beteiligt. Cortisol beeinflusst zahlreiche Stoffwechselprozesse, etwa den Blutzucker, den Protein-, Fett- und Knochenstoffwechsel, sowie das Immunsystem und ebenfalls den Blutdruck. Zusätzlich spielt Cortisol bei der Reaktion auf Stress eine wichtige Rolle. Ein Mangel kann daher in Belastungssituationen lebensbedrohlich werden.
Bei Morbus Addison kann die Bildung aller Hormone der Nebennierenrinde beeinträchtigt sein. »Wer dauerhaft erschöpft ist, ungewollt Gewicht verliert, niedrigen Blutdruck hat oder unter Schwindel, Übelkeit und Bauchschmerzen leidet, sollte auch an Morbus Addison denken«, fasste Harbeck zusammen. Auch verstärkter Salzhunger sowie Muskel- und Gelenkschmerzen können auf die Erkrankung hinweisen. »In nahezu allen Fällen zeigt sich zudem eine verstärkte Pigmentierung der Haut.« Diese entsteht, weil der Körper als Reaktion auf den Cortisolmangel vermehrt adrenocorticotropes Hormon (ACTH) produziert, was mit einer gesteigerten Ausschüttung von Melanotropin einhergeht. Dieses regt die Synthese von Melanin in Hautzellen an.
Bei sekundärer und tertiärer Nebenniereninsuffizienz entsteht der Cortisolmangel infolge von Störungen übergeordneter Regelzentren wie der Hypophyse. In diesen Fällen tritt keine Hyperpigmentierung auf, da die ACTH-Ausschüttung nicht erhöht ist. Die tertiäre Form wird meist durch eine längere Cortisontherapie ausgelöst.