Auf die Frage, ob die Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro aus dem Topf der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) bezahlt werden könnte, der laut Hubmann aktuell bei rund 600 Millionen Euro liegt, entgegnete der DAV-Chef: »Solche Ideen sind zwar aufgetaucht, aber das sind Gedankenspiele einzelner Abgeordneter, die die 9,50 Euro zwar beibehalten, aber bereits nach einer Gegenfinanzierung suchen wollten.«
Eine solche Überlegung hatte zum Beispiel Ende Februar Georg Kippels (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG), geäußert. Hubmann hält dagegen: »Dieses Geld kann man nicht einfach per Verordnung umwidmen. Es müsste gesetzlich geregelt werden, dass sie jetzt nicht mehr dafür zur Verfügung stehen würden, sondern für die Erstfinanzierung der 9,50 Euro verwendet werden würden.« Damit ließe sich aber schon zeitlich das Honorar nicht mehr per Verordnung erhöhen.
Auch das neue Medikationsmanagement, das nur auf ärztliche Verschreibung möglich sein soll, wurde angesprochen. »Bei den Dienstleistungen sind wir gerade noch am Kämpfen. Wir sind ziemlich sicher, dass das Medikationsmanagement gar nicht erst kommt, wenn es nur auf Verschreibung, also auf ärztliche Anregung, möglich ist«, so Hubmann.
Hoffmann ergänzte: »Es wäre verrückt, zu denken, dass ein Arzt, der gerade seine Verordnung neu aufstellt, diese sofort wieder vom Apotheker überprüfen lässt.« Laut dem BAK-Chef wollte das BMG mit dieser Regelung erreichen, dass die Ärzte- und die Apothekerschaft enger zusammenarbeiten. Das ließe sich aber auch anders erreichen, ist der BAK-Präsident überzeugt.
Mit dem ApoVWG sollen neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) eingeführt werden. Der DAV muss mit den Kassen auch über die Preise verhandeln. »Das wird kein Spaziergang. Der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV) wird dafür kämpfen, dass die pDLs nicht gut vergütet werden«, so Hubmann. Als Beispiel nannte er das Impfen, bei dem die Apotheken kein höheres Honorar als die Ärzteschaft erhalten können. Zudem sei unsicher, ob die neuen pDL künftig vom bestehenden pDL-Topf finanziert werden oder wie ein normales Rezept über das Rechenzentrum abgerechnet werden.
Die Apothekerschaft sollte sich überlegen, wie sie vorgehen möchte, falls es zu einer langen Verzögerung durch die Krankenkasse bei der Finanzierung der neuen Aufgaben kommen sollte. »Es kann nicht sein, dass wir neue Leistungen, die von der Politik und dem Ministerium gewollt sind, durchführen sollen und dann auf die lange Bank geschoben werden«, sagte Hoffmann.
Hubmann stellte jedoch klar, dass er lieber ein Vierteljahr länger verhandeln würde, um die Wirtschaftlichkeit der neuen Dienstleistungen sicherzustellen, als einen vorzeitigen Kompromiss zu schließen. »Für uns gilt: Jede Dienstleistung soll auch ein Gewinn für die Apotheke sein und nicht nur eine Kostendeckung. Denn dann können wir auch darauf verzichten.«
Die nächste Verhandlung mit der Krankenkasse soll am 16. April stattfinden. Dabei soll über die Honorierung der Erstausstattung für Telemedizin sowie über die Dinge, die honoriert in die elektronische Patientenakte (ePA) eingetragen werden können, gesprochen werden. Im gleichen Zeitraum könnte voraussichtlich die Apothekenreform im Bundestag debattiert werden.