| Brigitte M. Gensthaler |
| 27.05.2026 18:00 Uhr |
Apothekerin Dr. Linda Ruppert von der ABDA nannte einige »Knackpunkte« der Beratung, unter anderem Transport und Lagerung von Medikamenten. Bekanntlich unterscheidet man bei Raumtemperatur, also bei 15 bis 25 °C zu lagernde Medikamente, kühlpflichte Präparate, die bei Raumtemperatur transportiert und bei 2 bis 8 °C gelagert werden, sowie kühlkettenpflichtige Medikamente, die vom Hersteller bis zum Patienten kühl gehalten werden müssen.
Was tun, wenn es im Sommer in der Wohnung zu warm ist? Manche bei Raumtemperatur zu lagernde Medikamente dürften bei bis zu 30 °C aufbewahrt werden, informierte Ruppert. Apotheken sollten nicht empfehlen, die Produkte in den Kühlschrank zu packen, da dort Temperaturen von 6 bis 7 Grad herrschen. Eventuell könne der Patient eine Styroporbox mit Kühlakkus bestücken und darin seine Medikamente lagern. »Aber es soll in der Box nicht unter 15 Grad kalt sein.«
Temperaturanfällig sind halbfeste Zubereitungen (Salben, Cremes, Gele), Zäpfchen aus Hartfett, Gelatinekapseln, transdermale therapeutische Systeme (TTS) und Inhalativa. Auch der Transport im heißen Auto könne schaden. Einfache Lösung: das Medikamentenpäckchen zum Einkaufen mitnehmen und nicht im Auto in der prallen Sonne liegen lassen.
Ruppert ging auf einige hitzekritische Arzneimittel ein. Das sind solche, die Blutdruckabfall und Hypotonie (Antihypertensiva, Antianginosa) oder Dehydrierung und Elektrolytstörungen (Diuretika, ACE-Hemmer, Lithium) auslösen können. Zudem könne eine Vielzahl von Wirkstoffen das Schwitzen reduzieren und somit die Thermoregulation gefährlich stören (Anticholinergika, Trizyklika, Antipsychotika).
Eine veränderte Pharmakokinetik sei zum Beispiel bei Insulinen (cave: Hypoglykämie) und TTS (cave: gesteigerte Hautdurchblutung und -permeabilität) zu beachten, aber auch eine reduzierte renale Elimination (cave: Lithium, Herzglykoside).
Apothekenteams sollten zudem auf Wirkstoffe achten, die die Photosensitivität erhöhen, empfahl Ruppert. Die Symptome seien ähnlich wie bei einem Sonnenbrand. Als Beispiele nannte die Apothekerin NSAR, Diuretika, Antibiotika und Antimykotika, aber auch Statine, ACE-Hemmer und Protonenpumpenblocker. »Manche Wirkstoffe, die der Patient im Winter gut verträgt, können im Frühjahr und Sommer Probleme bereiten.«
Schwerpunkte der Beratung seien langärmelige luftige Kleidung, ein sehr guter Lichtschutz (hoher UVA- und UVB-Schutzfaktor), Verzicht auf Solarien und Meiden von direktem Sonnenlicht. Bei Wirkstoffen mit kurzer Halbwertszeit könne eine abendliche Einnahme hilfreich sein.