| Juliane Brüggen |
| 23.03.2026 16:00 Uhr |
Der HAV informierte bereits im Vorfeld der Proteste über die Lage der hessischen Apotheken. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 habe es in Hessen noch 1273 Apotheken gegeben – 273 Offizinen oder 18 Prozent weniger als noch vor 13 Jahren, als die letzte Erhöhung des Apothekenhonorars von 8,10 auf 8,35 Euro stattfand. Bereits 21 hessische Kommunen hätten keine Apotheke mehr, wodurch rund 76.000 Menschen auf die wohnortnahe Versorgung verzichten müssten. Weitere 174 Kommunen – entsprechend 15 Prozent der hessischen Bevölkerung – seien von Versorgungslücken bedroht, da hier nur noch jeweils eine Apotheke ansässig sei. »Was das für die Zukunft bedeutet, das kann sich jeder denken«, so Seyfarth. »Die pharmazeutische Betreuung hängt am seidenen Faden.«
Schamim Eckert, Vizepräsidentin der LAK Hessen, betonte im Gespräch mit der PZ, dass im Koalitionsvertrag »viele wichtige Dinge für uns« enthalten waren. Nur müsse nun auch die Umsetzung folgen. »Es ist einfach wichtig, dass wir hier diese Forderung unterstützen.« Nach fast 22 Jahren müsse endlich die Honoraranpassung kommen. Die Anpassung im Jahr 2013 von 8,10 auf 8,35 könne man nicht mitzählen, diese falle überhaupt nicht ins Gewicht. »Wir sind hier planwirtschaftlich und systematisch ruiniert worden«, so Eckert. »Es ist wichtig, dass wir auf den letzten Metern nicht aufgeben, sondern Geschlossenheit zeigen.«
»Das, was Sie hier machen, ist eine Unterstützung für uns«, sagte Bartelt (CDU). Er empfinde Solidarität mit den freiberuflichen Heilberufen. Diana Stolz, hessische Ministerin für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, werde sich in Berlin für die Apotheken einsetzen, versprach der Landtagsabgeordnete. Im Gesetzentwurf stehe vieles, was im Sinne der Apotheken sei, so Bartelt, doch die Honorarerhöhung fehle. Auch die bestehenden Lieferengpässe blieben eine Herausforderung, der es entgegenzutreten gelte.
Er sei beeindruckt gewesen, als er aus dem Bahnhof herausgetreten sei, sagte Yanki Pürsün (FDP) zu der Menge. »Ich hoffe, dass aus Fulda und aus anderen Städten in Deutschland heute ein Signal ausgeht, denn Sie sind wichtig für die Gesundheitsversorgung«, sagte der Landtagsabgeordnete. Die FDP habe sich bereits unter Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dafür eingesetzt, dass dessen Pläne hinsichtlich »Apotheken ohne Apotheker« nicht umgesetzt werden. »Ganz klar ist: Das Honorar muss erhöht und die Bürokratie abgebaut werden.« Auch, dass Versandapotheken andere Wettbewerbsbedingungen hätten, sei »absolut nicht in Ordnung«.