| Juliane Brüggen |
| 23.03.2026 16:00 Uhr |
Maximilian Traut, Apothekeninhaber aus Fulda, der die Organisation federführend übernahm, erklärte im Gespräch mit der PZ, die Kundgebung in Fulda solle ein sichtbares Zeichen für die Menschen vor Ort setzen. Zur Resonanz sagte er: »Ich bin hin und weg. Der Zuspruch aus ganz Hessen ist gigantisch.«
Zu den Protestierenden in Fulda sprachen unter anderem Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes (HAV), Dr. Schamim Eckert, Vizepräsidentin der Hessischen Apothekerkammer, und verschiedene Vertreter der Landespolitik wie Dr. Ralf-Norbert Bartelt (CDU) und Yanki Pürsün (FDP) sowie Carolin Eichhorn von der Freien Apothekerschaft.
»Die Politik muss jetzt wirklich liefern und nicht weiter Versprechungen machen«, sagte Holger Seyfahrth zu den Protestierenden. Und an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gerichtet: »Wir warten!« Sie habe die Honorarerhöhung auf 9,50 Euro per Verordnung im Frühling versprochen. Dieser habe am 21. März kalendarisch begonnen. Die 9,50 Euro müssten zudem auch als Startpunkt für die zukünftigen Verhandlungen mit der GKV festgesetzt werden. Für Apotheken entscheidend sei außerdem die Skonti-Freigabe. Seyfarth warnte zudem, dass die kürzlich eingesetzte Finanzkommission zur Prüfung der Kosten im GKV-System nicht zum »Bremsklotz« werden dürfe.
Der HAV informierte bereits im Vorfeld der Proteste über die Lage der hessischen Apotheken. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 habe es in Hessen noch 1273 Apotheken gegeben – 273 Offizinen oder 18 Prozent weniger als noch vor 13 Jahren, als die letzte Erhöhung des Apothekenhonorars von 8,10 auf 8,35 Euro stattfand. Bereits 21 hessische Kommunen hätten keine Apotheke mehr, wodurch rund 76.000 Menschen auf die wohnortnahe Versorgung verzichten müssten. Weitere 174 Kommunen – entsprechend 15 Prozent der hessischen Bevölkerung – seien von Versorgungslücken bedroht, da hier nur noch jeweils eine Apotheke ansässig sei. »Was das für die Zukunft bedeutet, das kann sich jeder denken«, so Seyfarth. »Die pharmazeutische Betreuung hängt am seidenen Faden.«
Schamim Eckert, Vizepräsidentin der LAK Hessen, betonte im Gespräch mit der PZ, dass im Koalitionsvertrag »viele wichtige Dinge für uns« enthalten waren. Nur müsse nun auch die Umsetzung folgen. »Es ist einfach wichtig, dass wir hier diese Forderung unterstützen.« Nach fast 22 Jahren müsse endlich die Honoraranpassung kommen. Die Anpassung im Jahr 2013 von 8,10 auf 8,35 könne man nicht mitzählen, diese falle überhaupt nicht ins Gewicht. »Wir sind hier planwirtschaftlich und systematisch ruiniert worden«, so Eckert. »Es ist wichtig, dass wir auf den letzten Metern nicht aufgeben, sondern Geschlossenheit zeigen.«