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Frauen mit Diabetes

Herausforderung Wechseljahre

Diabetes und Menopause interagieren vielfältig. Die schwankenden und sinkenden Hormonspiegel beeinflussen viele Körperfunktionen, darunter auch den Glucosestoffwechsel. Die Blutzuckereinstellung wird schwieriger und das kardiovaskuläre Risiko der Frauen steigt. Gute pharmazeutische Begleitung hilft.
Marion Hofmann-Aßmus
10.07.2022  00:00 Uhr

Was gemeinhin als Menopause bezeichnet wird, stellt eigentlich eine mehrere Jahre andauernde Phase der hormonellen Umstellung dar (Kasten). Viele, aber längst nicht alle Frauen leiden unter Wechseljahresbeschwerden und auch nicht alle gleich stark. Vielmehr ist die Ausprägung der Beschwerden sehr individuell. Frauen mit Diabetes haben in diesen Jahren oft mit besonderen Problemen zu kämpfen.

Typische Beschwerden, die insbesondere in der Peri- und zu Beginn der Postmenopause auftreten, umfassen Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Veränderungen von Haaren, Haut und Schleimhäuten (1, 2).

Man geht davon aus, dass rund ein Drittel der Frauen keinerlei Beschwerden verspürt, ein weiteres Drittel nur leichte Symptome hat und das letzte Drittel so beeinträchtigt ist, dass eine medizinische Behandlung erforderlich ist. Etwa die Hälfte der perimenopausalen Frauen verspürt Hitzewallungen, postmenopausal liegt die Prävalenzrate zwischen 30 und 80 Prozent (3). Im Durchschnitt halten häufige Hitzewallungen (an mehr als sechs Tagen innerhalb der letzten zwei Wochen) über 7,4 Jahre an. Beginnen die Beschwerden bereits vor der Menopause, ist die Zeitspanne noch länger (2).

Frauen mit Diabetes mellitus können Wechseljahresbeschwerden wie Herzrasen, Hitzewallungen oder Schweißausbrüche mit Symptomen einer Unterzuckerung verwechseln oder umgekehrt Hypoglykämie-Anzeichen fehldeuten. Sie sollten daher häufiger ihren Blutzucker kontrollieren. Außerdem stellen die Beschwerden eine Stressbelastung dar, die zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol führen kann, die wiederum die Insulinresistenz (Hemmung des insulinvermittelten Glucoseverbrauchs) und somit hohe Blutzuckerwerte fördert (4).

Hier könnten Apothekerinnen und Apotheker beratend eingreifen, erklärt Professor Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, ärztliche Direktorin des Zentrums Innere Medizin/Fünf Höfe in München, im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. »Bei Kundinnen mit Diabetes, die über ein steigendes Körpergewicht und schwankende Blutzuckerwerte klagen, sollten sie aufmerksam werden. Denn das sind wichtige Anzeichen für eine beginnende Menopause – was den Frauen selbst häufig gar nicht bewusst ist.«

Diabetespatientinnen in den Wechseljahren seien häufig verzweifelt, weil sie ihre Blutzuckereinstellung plötzlich nicht mehr in den Griff bekommen und ihnen dadurch eine Hypo- oder Hyperglykämie droht. Die Aufklärung darüber, dass sie nicht selbst an den wechselnden Blutzuckerwerten »schuld« sind, nehme den Frauen häufig eine große Last von den Schultern, weiß die Diabetologin. »Darüber hinaus kann das Apothekenpersonal die Frauen darauf hinweisen, dass sie häufiger ihren Blutzucker kontrollieren sollten, und ihnen raten, eine spezielle Diabetesberatung beziehungsweise einen Diabetologen oder eine Diabetologin aufzusuchen.«

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