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Leitliniengerechte Therapie

Heilmittel gegen Husten

Die Leitlinie empfiehlt auch erstmals die zeitversetzte Gabe von Expektoranzien und Antitussiva, vor allem wenn die Nachtruhe gestört ist. »So kann tagsüber bei produktivem Husten das Expektorans gegeben werden und abends vor dem Schlafengehen ein Hustenstiller.« Denn auch ein produktiver Husten kann die Nachtruhe empfindlich stören. Notwendiges Abhusten bleibt trotz Antitussivum erhalten.

Diesen Anwendungshinweis hält Zeeh für praxisrelevant und einen guten Tipp für die Beratung in der Apotheke. Hintergrund: In der Tat könnte durch eine kombinierte Anwendung von Antitussivum und Expektorans aufgrund eines eingeschränkten Hustenreflexes ein gefährlicher Sekretstau entstehen. Die gleichzeitige Gabe erscheint kontraproduktiv, gemäß der Theorie, dass nicht das gefördert werden kann, was gleichzeitig gehemmt werden soll. Dieses Problem löst sich durch die zeitlich versetzte Gabe der beiden Arzneistoffgruppen.

Der viel zitierte Sekretstau, der Antitussiva mitunter zur Last gelegt wird, existiert vermutlich nur in der Theorie, erklärte Zeeh. Die Gefahr, dass sich durch Antitussiva Schleim in den Luftwegen ansammelt, ist nur bei solchen Krankheiten relevant, bei denen reichlich Sputum produziert wird, also bei Mukoviszidose oder Bronchiektasen. Bei Husten, der auf einen grippalen Infekt zurückgeht, hält sich die zusätzliche Produktion zähen Schleims in Grenzen.

Wissen, was wirkt

Laut Leitlinie verfügen nur Ambroxol, Dextromethorphan und mehrere Phytotherapeutika über »akzeptable randomisierte kontrollierte Studien, die eine Verkürzung der Dauer und/oder die Senkung der Intensität des Hustens bei der akuten Bronchitis belegen«. Unter den chemisch-synthetischen »protussiv/expektorationsfördernden« Wirkstoffen wurde nur Ambroxol (wie Mucosolvan®) aufgrund der Neubewertung von Studiendaten in die Empfehlung bei akutem Erkältungshusten aufgenommen. Nicht so N-Acetylcystein. Es ist zwar der in Deutschland meist eingesetzte Arzneistoff gegen Husten, hat aber eine mangelhafte Studienlage.

Ambroxol setzt im Rahmen der symptomatischen Therapie bronchopulmonaler Erkrankungen an verschiedenen Stellen an. So vermindert es etwa die Viskosität des Schleims und erleichtert dessen Abtransport, verbessert die mukoziliäre Clearance und fördert im Vergleich zu Placebo die schnellere Linderung der Symptome bei akuter Bronchitis. Ein aktuelles Review, das die Daten von rund 1300 Kindern mit akuten Atemwegsinfekten, aber auch chronischen Erkrankungen wie Bronchialasthma analysiert, bestätigt den schnelleren Heilungsverlauf. Darüber hinaus hat Ambroxol lokalanästhetische und somit lokal schmerzlindernde sowie antiinflammatorische Eigenschaften und kann zudem die Konzentration von einigen Antibiotika im Bronchialschleim und Lungengewebe erhöhen.

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