| Paulina Kamm |
| 22.05.2026 15:20 Uhr |
»Termine werden knapper, Wartezeiten länger und die Zeit für die individuelle Betreuung geringer«, sagt Marie Holtzsch, Vorsitzende des Landesverbandes Mitte-Ost des Verbandes medizinischer Fachberufe. / © Getty Images/Caiaimage/Robert Daly
Die Thüringer Gemeinschaft der Heilberufe äußerte Kritik an der geplanten Kassenreform. Zuvor hatten sie sich bereits mit einem offenen Brief an alle Thüringer Mitglieder des Bundestags, des Sozialausschusses im Landtag sowie an die Vertretenden Thüringens im Bundesrat gewandt. Insbesondere die ambulante Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sehen Angehörige der Gemeinschaft in Gefahr, bereits bestehende Engpässe könnten sich demnach intensivieren.
Die Gemeinschaft stieß bei der Gesundheitsministerin auf Zuspruch. Entsprechende Änderungsanträge wurden demnach bereits in den Bundesrat eingebracht.
Die Thüringer Landesregierung habe sich zuvor das Ziel eines »20-Minuten-Landes« gesteckt – ein Versuch die wohnortnahe medizinische Versorgung zu sichern. Dies sei mit dem geplanten Gesetz auf Bundesebene und damit einhergehenden Sparmaßnahmen nicht vereinbar. Für einen Ausbau von Prävention und ambulanter Versorgung seien dadurch die nötigen finanziellen Ressourcen nicht mehr vorhanden.
Nur ein Viertel der Gesamtausgaben der Krankenkassen reiche aus, um 97 Prozent aller ambulanten Behandlungsfälle zu finanzieren. »Während Politik und Krankenkassen seit Jahren fordern, mehr Behandlungen aus den Krankenhäusern in den ambulanten Bereich zu verlagern, sollen nun ausgerechnet dort Leistungen gedeckelt und zusätzliche Termine finanziell entwertet werden«, sagt Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen.
Das geplante Gesetz sei nicht am medizinischen Bedarf der Patientinnen und Patienten ausgerichtet. Die Gemeinschaft rechne mit erschwerten Terminvergaben, längeren Wegen und Wartezeiten. Dies wäre wohl im Flächenland Thüringen besonders dramatisch.
Die Begrenzung der Vergütungsentwicklung, der Wegfall von Honoraren für zusätzliche und kurzfristige Termine und die Deckelung bislang nicht budgetierter Leistungen gehen auf Kosten der Ärzteschaft, so die Gemeinschaft. Besonders betroffen seien Professionen mit häufigen Spontanterminen, zum Beispiel die hausärztliche Versorgung und die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. »Der Fachkräftemangel verschärft sich weiter – mit direkten Folgen für die Versorgung: Termine werden knapper, Wartezeiten länger und die Zeit für die individuelle Betreuung geringer«, sagt Marie Holtzsch, Vorsitzende des Landesverbandes Mitte-Ost des Verbandes medizinischer Fachberufe.