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Thüringen 
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Heilberufe warnen vor Folgen des Spargesetzes

Die Gemeinschaft der Heilberufe in Thüringen äußerte im Dialog mit Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) am 18. Mai 2026 Bedenken zum geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 22.05.2026  15:20 Uhr

Die Thüringer Gemeinschaft der Heilberufe äußerte Kritik an der geplanten Kassenreform. Zuvor hatten sie sich bereits mit einem offenen Brief an alle Thüringer Mitglieder des Bundestags, des Sozialausschusses im Landtag sowie an die Vertretenden Thüringens im Bundesrat gewandt. Insbesondere die ambulante Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sehen Angehörige der Gemeinschaft in Gefahr, bereits bestehende Engpässe könnten sich demnach intensivieren. 

Die Gemeinschaft stieß bei der Gesundheitsministerin auf Zuspruch. Entsprechende Änderungsanträge wurden demnach bereits in den Bundesrat eingebracht.

Bund vs. Land

Die Thüringer Landesregierung habe sich zuvor das Ziel eines »20-Minuten-Landes« gesteckt – ein Versuch die wohnortnahe medizinische Versorgung zu sichern. Dies sei mit dem geplanten Gesetz auf Bundesebene und damit einhergehenden Sparmaßnahmen nicht vereinbar. Für einen Ausbau von Prävention und ambulanter Versorgung seien dadurch die nötigen finanziellen Ressourcen nicht mehr vorhanden.

Nur ein Viertel der Gesamtausgaben der Krankenkassen reiche aus, um 97 Prozent aller ambulanten Behandlungsfälle zu finanzieren. »Während Politik und Krankenkassen seit Jahren fordern, mehr Behandlungen aus den Krankenhäusern in den ambulanten Bereich zu verlagern, sollen nun ausgerechnet dort Leistungen gedeckelt und zusätzliche Termine finanziell entwertet werden«, sagt Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen

Das geplante Gesetz sei nicht am medizinischen Bedarf der Patientinnen und Patienten ausgerichtet. Die Gemeinschaft rechne mit erschwerten Terminvergaben, längeren Wegen und Wartezeiten. Dies wäre wohl im Flächenland Thüringen besonders dramatisch. 

Die Begrenzung der Vergütungsentwicklung, der Wegfall von Honoraren für zusätzliche und kurzfristige Termine und die Deckelung bislang nicht budgetierter Leistungen gehen auf Kosten der Ärzteschaft, so die Gemeinschaft. Besonders betroffen seien Professionen mit häufigen Spontanterminen, zum Beispiel die hausärztliche Versorgung und die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. »Der Fachkräftemangel verschärft sich weiter – mit direkten Folgen für die Versorgung: Termine werden knapper, Wartezeiten länger und die Zeit für die individuelle Betreuung geringer«, sagt Marie Holtzsch, Vorsitzende des Landesverbandes Mitte-Ost des Verbandes medizinischer Fachberufe. 

Wie stehts um die Apotheken? 

Die Gemeinschaft der Heilberufe kritisiert auch die Erhöhung des Kassenabschlags für Apotheken. Diese bedeute »eine dauerhafte Honorarkürzung«. Den Apotheken werden parallel mehr Aufgaben und finanzielle Risiken – etwa durch höhere Medikamentenzuzahlungen – zuteil. »Belastungen werden jetzt verbindlich beschlossen, die versprochene Stärkung der Apotheken bleibt dagegen weiter unverbindlich angekündigt – das ist ein klarer Wortbruch«, sagt der Vorsitzende des Thüringer Apothekerverbandes, Stefan Fink, mit Blick auf die Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag

Der Präsident der Landesapothekerkammer Thüringen, Ronald Schreiber, prophezeit: »Wird die wirtschaftliche Grundlage der Apotheken weiter geschwächt, drohen insbesondere im ländlichen Raum längere Wege, weniger persönliche Beratung und Versorgungslücken.« Rund 33 Prozent der noch 473 Apotheken in Thüringen seien bereits heute an ihren wirtschaftlichen Grenzen angekommen. 

Dass Apotheken so künftig zusätzlich Prävention, Primärversorgung und Arzneimitteltherapiesicherheit übernehmen können, bezweifele Schreiber unter besagten Bedingungen. 

 

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