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Podiumsdiskussion

Hand in Hand gegen Lieferengpässe

Für Arzneimittelhersteller wird es zunehmend schwieriger, auf dem Weltmarkt Wirkstoffe zu bekommen. Ob es eine Lösung ist, den Produktionsstandort Deutschland zu stärken, darüber diskutierten die Experten beim 18. Berliner Dialog am Mittag, zu dem der Branchenverband Pro Generika heute eingeladen hat. Klar war: Weltweit muss es mehr Kommunikation geben, um Lieferengpässe zu vermeiden.
Jennifer Evans
28.11.2019
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Wenn es um Lieferengpässe geht, dann decken sich die Interessen von Industrie, Politik, Gesellschaft und Patienten wie bei kaum einem anderen Thema. Darin waren sich die Diskutanten auf dem Podium heute einig. Es stelle sich nicht mehr die Frage, ob gehandelt wird, sondern vielmehr wie, bekräftigte Simon Goeller, Experte für die Generikaindustrie bei der Unternehmensberatung McKinsey. Fest stehe, dass weltweit mehr Informationen ausgetauscht werden müssten. Allerdings sichert seiner Ansicht nach eine reine Lokalisation der Produktionsstätten auf Deutschland oder Europa nicht eine dauerhafte Lieferfähigkeit. Das sieht auch Pro Generika-Chef Wolfgang Späth so. Bei der Komplexität der Wirkstoffketten müsse es einfach mehr Transparenz geben, sagte er. Außerdem hält er es für nicht mehr zeitgemäß, Hersteller aus China oder Indien außen vorzulassen. Denn viele Unternehmen dort betrieben die modernsten Arzneimittelwerke der Welt.

Einen ersten Lösungsansatz bei der Lieferengpass-Problematik sieht Späth darin, mehrere Hersteller an der Versorgung zu beteiligen. Doch betont er gleichzeitig, dass mit einer Mehrfachvergabe die Probleme nicht sofort weg sind, denn viele Firmen beziehen ihre Wirkstoffe vom selben Hersteller. Daher empfiehlt Späth in einem zweiten Schritt, künftig auf unterschiedliche Wirkstoffquellen zurückzugreifen. Am allerbesten wäre es sogar, wenn diese aus unterschiedlichen Wirtschaftszonen stammten.

Auch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) plant, in Zukunft bei der »Vergabe den Standort mit zu berücksichtigen«, wie Thomas Müller, Leiter der Abteilung Arzneimittel, Medizinprodukte und Biotechnologie im BMG, hervorhob. Das Thema Lieferengpässe habe »hohe Priorität im Ministerium«. Was die Details anging, äußerte sich Müller allerdings nur vage. Insgesamt wolle man die Transparenz erhöhen, um Lieferengpässe frühzeitig zu erkennen. In diesem Zusammenhang will das BMG die Rolle der Bundesbehörden stärken. Zudem strebt es »schnellere Verfahren beim Beschaffen von Ersatz« an sowie eine »Entbürokratisierung für Apotheken und Patienten«, so Müller. Einen Herkunftsnachweis verpflichtend auf der Arzneimittelpackung einzuführen, sei aber derzeit nicht geplant. Obwohl einige Apotheker dies im Sinne der Adhärenz-Optimierung befürworten würden, wie aus der Diskussion hervorging.

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