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Selbstmedikation
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Gut durch die Wechseljahre

Bei den meisten Frauen setzen Mitte 40 die ersten Symptome der Wechseljahre ein. Dazu zählen Schlaf­störungen, depressive Verstimmungen und schließlich Hitze­wallungen. In der Selbstmedikation gibt es zahlreiche Phytotherapeutika, die die Beschwerden lindern können.
AutorKontaktMaria Pues
Datum 15.04.2026  18:00 Uhr

Sind das jetzt die Wechseljahre? Und wie komme ich da gut durch? Mit ­diesen Fragen wenden sich viele Frauen an ihren Gynäkologen, aber auch an ­Apothekenteams. Viele berichten über Schlafstörungen, eine innere Unausgeglichenheit, etwa eine ungewohnte Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit, und/oder Hitze­wallungen. Auch Veränderungen von Haut und Schleimhäuten treten häufig auf. Sie äußern sich unter anderem in Form von Hauttrockenheit, trockenen Augen oder einer vaginalen Trockenheit. Sie alle sind Folge einer nachlassenden Estrogen- und Pro­gesteron-Produktion.

Bei starken Beschwerden kommt eine Hormonersatztherapie in Betracht. Anders als die Bezeichnung vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine Wiederherstellung von Hormonkonzentrationen, wie sie vor Beginn der Wechseljahre vorlagen. Vielmehr wird die Therapie so gewählt, dass – mit der niedrigstmöglichen Dosis – belastende Beschwerden reduziert werden. Nutzen und Risiken der Therapie müssen dabei berücksichtigt werden, etwa kardiovaskuläre Risiken oder hormonabhängige Tumoren in der Familienanamnese.

Extrakte aus Traubensilberkerze

Bei starken Beschwerden kommt eine Hormonersatztherapie in Betracht. Bei weniger stark ausgeprägten Beschwerden oder wenn eine Hormonersatz­therapie nicht gewünscht wird, stehen pflanzliche Optionen zur Verfügung. Dazu gehören Extrakte aus der Wurzel und dem Rhizom der Traubensilber­kerze (etwa Remifemin® mono). Neben einem Gemisch aus Triterpenglyko­siden sind unter anderem Phenylcarbon­säuren enthalten. Welche Inhaltsstoffe für die Wirkungen verantwortlich sind und wie diese zustande kommen, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Während man früher eine estrogen­artige Wirkung vermutete, geht man heute davon aus, dass die Wirkungen unter anderem über Dopamin- und ­Serotoninrezeptoren im ZNS zustande kommen. Eine Kombination mit einem Estrogen-Präparat sollte nicht ohne ärztlichen Rat erfolgen.

Eine agonistische Wirkung am Estrogen-Rezeptor β (ER-β) vermutet man bei Extrakten des Rhapontik-Rhabarbers (Rheum raponticum) und seinen Hauptinhaltsstoffen Rhaponticin und Desoxyrhaponticin (etwa Femi-Loges®). Der ­Extrakt ist zur Linderung psychischer und neurovegetativer Beschwerden

wie ­Hitzewallungen/Schweißausbrüche, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Ängstlichkeit zugelassen.

Naturgemäß schwierig gestaltet sich die Beurteilung von Nahrungs­ergänzungsmitteln (NEM), die von Rechts wegen nicht mit therapeutischen Effekten werben dürfen. Das gilt auch für NEM mit isolierten Isoflavonen, wie sie in Soja- und Rotklee-Produkten enthalten sind. Zwar kam die Europä­ische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise auf schädliche Wirkungen bestehen. Allerdings schlossen die Studien nur postmenopausale Frauen und kurze Anwendungszeiträume ein. Über die Sicherheit bei perimenopausalen Frauen war daher keine Aussage möglich. Die Verbraucherzentrale kritisiert zudem, dass in zahlreichen Produkten die von der EFSA empfohlenen Verzehrmengen von 100 mg für Soja-Isoflavone und 43,5 mg für Rotklee-Isoflavone überschritten würden. Auch hier gilt: Die Werte gelten für gesunde postmenopausale Frauen. Für Frauen in den Wechseljahren liegen keine Werte vor.

Auch an andere Ursachen denken

Uneingeschränkt empfehlenswert sind hingegen Lebensstilmaßnahmen wie eine ausgewogene Vollwertkost. Die Reduktion scharfer Gewürze kann sich positiv auf Hitzewallungen auswirken. Funktionswäsche – auch für die Nacht – kann diese zudem erträglicher ­machen. Regelmäßiger Sport und Entspannungsübungen tragen dazu bei, Stress abzubauen und einen erhol­samen Schlaf zu unterstützen.

In der Beratung gilt außerdem zu beachten: Auch vermeintlich typische Wechseljahresbeschwerden können andere Ursachen haben. Bei einem entsprechenden Verdacht sollte daher zu einer ärztlichen Abklärung geraten werden. Das gilt auch, wenn eine Selbstmedikation nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat. Und: In die Zeit der Wechseljahre fallen bei vielen Frauen auch starke Veränderungen des Alltags: Die Eltern benötigen ­Unterstützung oder werden pflege­bedürftig, die Kinder werden »flügge« und verlassen das Elternhaus, es kommt zu Veränderungen am Arbeitsplatz. Hier kann (zusätzlich) psychologische oder organisatorische Unterstützung sinnvoll sein.

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