Ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung sind in den Wechseljahren besonders wichtig. / © Adobe Stock/ jd-photodesign
Sind das jetzt die Wechseljahre? Und wie komme ich da gut durch? Mit diesen Fragen wenden sich viele Frauen an ihren Gynäkologen, aber auch an Apothekenteams. Viele berichten über Schlafstörungen, eine innere Unausgeglichenheit, etwa eine ungewohnte Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit, und/oder Hitzewallungen. Auch Veränderungen von Haut und Schleimhäuten treten häufig auf. Sie äußern sich unter anderem in Form von Hauttrockenheit, trockenen Augen oder einer vaginalen Trockenheit. Sie alle sind Folge einer nachlassenden Estrogen- und Progesteron-Produktion.
Bei starken Beschwerden kommt eine Hormonersatztherapie in Betracht. Anders als die Bezeichnung vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine Wiederherstellung von Hormonkonzentrationen, wie sie vor Beginn der Wechseljahre vorlagen. Vielmehr wird die Therapie so gewählt, dass – mit der niedrigstmöglichen Dosis – belastende Beschwerden reduziert werden. Nutzen und Risiken der Therapie müssen dabei berücksichtigt werden, etwa kardiovaskuläre Risiken oder hormonabhängige Tumoren in der Familienanamnese.
Bei starken Beschwerden kommt eine Hormonersatztherapie in Betracht. Bei weniger stark ausgeprägten Beschwerden oder wenn eine Hormonersatztherapie nicht gewünscht wird, stehen pflanzliche Optionen zur Verfügung. Dazu gehören Extrakte aus der Wurzel und dem Rhizom der Traubensilberkerze (etwa Remifemin® mono). Neben einem Gemisch aus Triterpenglykosiden sind unter anderem Phenylcarbonsäuren enthalten. Welche Inhaltsstoffe für die Wirkungen verantwortlich sind und wie diese zustande kommen, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Während man früher eine estrogenartige Wirkung vermutete, geht man heute davon aus, dass die Wirkungen unter anderem über Dopamin- und Serotoninrezeptoren im ZNS zustande kommen. Eine Kombination mit einem Estrogen-Präparat sollte nicht ohne ärztlichen Rat erfolgen.
Eine agonistische Wirkung am Estrogen-Rezeptor β (ER-β) vermutet man bei Extrakten des Rhapontik-Rhabarbers (Rheum raponticum) und seinen Hauptinhaltsstoffen Rhaponticin und Desoxyrhaponticin (etwa Femi-Loges®). Der Extrakt ist zur Linderung psychischer und neurovegetativer Beschwerden
wie Hitzewallungen/Schweißausbrüche, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Ängstlichkeit zugelassen.
Naturgemäß schwierig gestaltet sich die Beurteilung von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM), die von Rechts wegen nicht mit therapeutischen Effekten werben dürfen. Das gilt auch für NEM mit isolierten Isoflavonen, wie sie in Soja- und Rotklee-Produkten enthalten sind. Zwar kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise auf schädliche Wirkungen bestehen. Allerdings schlossen die Studien nur postmenopausale Frauen und kurze Anwendungszeiträume ein. Über die Sicherheit bei perimenopausalen Frauen war daher keine Aussage möglich. Die Verbraucherzentrale kritisiert zudem, dass in zahlreichen Produkten die von der EFSA empfohlenen Verzehrmengen von 100 mg für Soja-Isoflavone und 43,5 mg für Rotklee-Isoflavone überschritten würden. Auch hier gilt: Die Werte gelten für gesunde postmenopausale Frauen. Für Frauen in den Wechseljahren liegen keine Werte vor.
Uneingeschränkt empfehlenswert sind hingegen Lebensstilmaßnahmen wie eine ausgewogene Vollwertkost. Die Reduktion scharfer Gewürze kann sich positiv auf Hitzewallungen auswirken. Funktionswäsche – auch für die Nacht – kann diese zudem erträglicher machen. Regelmäßiger Sport und Entspannungsübungen tragen dazu bei, Stress abzubauen und einen erholsamen Schlaf zu unterstützen.
In der Beratung gilt außerdem zu beachten: Auch vermeintlich typische Wechseljahresbeschwerden können andere Ursachen haben. Bei einem entsprechenden Verdacht sollte daher zu einer ärztlichen Abklärung geraten werden. Das gilt auch, wenn eine Selbstmedikation nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat. Und: In die Zeit der Wechseljahre fallen bei vielen Frauen auch starke Veränderungen des Alltags: Die Eltern benötigen Unterstützung oder werden pflegebedürftig, die Kinder werden »flügge« und verlassen das Elternhaus, es kommt zu Veränderungen am Arbeitsplatz. Hier kann (zusätzlich) psychologische oder organisatorische Unterstützung sinnvoll sein.
Die Wechseljahre (Klimakterium) umfassen den gesamten Zeitraum der hormonellen Umstellung. Sie unterteilen sich in die Prämenopause (Zeitraum, in dem anovulatorische Zyklen zunehmen und die Menstruationsblutungen unregelmäßiger werden), die Perimenopause (Zeitphase vor und nach dem Ausbleiben der Monatsblutung; umfasst rund zwei bis vier Jahre), die Menopause (Zeitpunkt der letzten Menstruation, nach der mindestens zwölf Monate keine Blutung mehr folgt; durchschnittlich im Alter von rund 52 Jahren) und die Postmenopause (beginnt ein Jahr nach der Menopause und endet mit der Besserung der klimakterischen Beschwerden). Rund ein Drittel der Frauen kommt beschwerdefrei durch diese Zeit, ein Drittel berichtet von leichten Symptomen und ein Drittel leidet unter starken Symptomen.