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Ampel-Sondierungen

Gibt es bald Cannabis-Projekte in Apotheken?

Die Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und FDP versuchen mit Blick auf eine mögliche Ampel-Koalition derzeit politische Gemeinsamkeiten zu finden. Ein kleiner, aber für die Apotheker möglicherweise nicht unbedeutender Konsens wäre die Liberalisierung von Cannabis. Über welche Bezugsstätten das Cannabis verteilt werden könnte, ist aber noch völlig offen. Ein Überblick.
Benjamin Rohrer
14.10.2021  15:00 Uhr

Cannabis ist jetzt schon eine weit verbreitete Droge in Deutschland. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2018 hat jeder zehnte 12- bis 17-jährige Jugendliche schon einmal Cannabis konsumiert. In der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre haben sogar 42,5 Prozent mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis ausprobiert. Regelmäßiger Cannabiskonsum, also häufiger als zehnmal in den letzten 12 Monaten, ist bei 1,6 Prozent der Jugendlichen und 6,9 Prozent der jungen Erwachsenen gegeben. Trotzdem bleibt der Konsum zu Genusszwecken weiterhin verboten. Laut Betäubungsmittelgesetz sind Anbau, Herstellung, Handel, Einfuhr, Ausfuhr, Abgabe, Veräußerung, sonstige Inverkehrbringung, Erwerb und Besitz von allen Pflanzenteilen des Cannabis strafbar.

In den vergangenen Jahren war es vor allem die Unionsfraktion, die eine (Teil-)Legalisierung verhindert hatte. Zunächst hatte zwar auch die SPD eine Abschaffung der Prohibition befürwortet, im Februar 2020 hatte die SPD-Bundestagsfraktion dann aber beschlossen, dass man sich für die legale, aber kontrollierte Abgabe stark machen werde. Mit Blick auf eine mögliche Ampel-Koalition könnte die Legalisierungsdebatte in den kommenden Monaten Tempo aufnehmen. Denn: FDP und Grüne sprechen sich schon seit Jahren für eine Öffnung aus und haben diese auch in ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl klar formuliert.

Wo kann das Cannabis kontrolliert abgegeben werden?

Aus Apothekersicht stellt sich allerdings die Frage, wie eine solche (Teil-)Liberalisierung genau ausgestaltet sein könnte. Denn: Einig sind sich wohl alle politischen Kräfte darüber, dass die Droge nicht ohne jegliche Beschränkungen erhältlich sein soll. Die Frage wird also sein, unter welchen Bedingungen welche Bevölkerungsgruppen in welchen Bezugsstätten Cannabis kaufen können. Und bei diesen Punkten gehen die Vorstellungen der Sondierungsparteien auseinander.

Die Grünen haben in der vergangenen Legislaturperiode und im Wahlprogramm bereits sehr genau definiert, wie sie sich die Abgabe vorstellen könnten. Konkret will die Partei ein Cannabis-Kontrollgesetz einbringen. Bereits in der nun endenden Legislaturperiode hatten die Grünen einen solchen Antrag in den Bundestag eingebracht. Das Gesetz sähe vor, dass der Staat Cannabis-Lizenzen an Fachgeschäfte vergibt und somit festlegen kann, welche Qualitätskriterien erfüllt werden müssen, damit solche lizenzierten Fachgeschäfte die Droge abgeben dürfen. Ebenfalls könnte der Staat auf diese Weise kontrollieren, welche Sorten von Cannabis (THC-Gehalt) abgegeben werden. Die Grünen würden wohl eine Abgabe nur an Erwachsene bevorzugen.

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