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Einnässen bei Kindern

Gezielte Therapie hat gute Erfolge

Bei der monosymptomatischen Enuresis (MEN) kommt es zu einer ungewollten, meist vollständigen Blasenentleerung im Schlaf mindestens einmal pro Monat. Die Speicher- und die Ausscheidungsfunktion der Blase sind nicht gestört. Jungen sind etwa eineinhalb Mal häufiger betroffen als Mädchen. Tagsüber sind die Kinder trocken. Die Ursachen sind noch nicht vollständig aufgeklärt.

Wahrscheinlich liegt eine genetisch bedingte Reifungsstörung von Gehirnbereichen vor, die für die Blasensteuerung verantwortlich sind. Die Kinder werden vom Drang der vollen Blase nicht wach, die Blasenentleerung im Schlaf wird nicht gehemmt. Bei manchen Kindern ist zudem die Urinausscheidung nachts erhöht. Ob hier ein Adiuretin-Mangel oder ein Trinkfehlverhalten am Abend ursächlich ist, konnte noch nicht geklärt werden. Adiuretin (Vasopressin, antidiuretisches Hormon, ADH) wird aus dem Hypophysenhinterlappen ausgeschüttet, wenn die Plasma-Osmolarität einen bestimmten Wert übersteigt oder das Blutvolumen abnimmt. Es ist deshalb zu diskutieren, ob nicht aufgrund der erhöhten Trinkzufuhr am Abend die ADH-Ausschüttung unterbleibt. Es besteht jedoch immer eine Aufwachstörung bei voller Blase. Ein ADH-Mangel gleich welcher Genese kann folglich nicht die alleinige Ursache für das nächtliche Einnässen sein.

Wenn ein Elternteil vom Einnässen betroffen war, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Störung auf das Kind vererbt wird, bei 44 Prozent. Waren beide Elternteile betroffen, beträgt sie 77 Prozent. Es wurden mehrere Kandidatengene gefunden, die für diese Störung kodieren.

Bei der primären Form der MEN war das Kind noch nie länger als sechs Monate trocken. Bei der sekundären Form nässt das Kind nach einer sechsmonatigen Phase des Trockenseins erneut ein. Der häufigste Grund dafür ist ein Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS).

Die nicht-monosymptomatische Enuresis (nocturna) (non-MEN) ist charakterisiert durch Einnässen in der Nacht in Verbindung mit Tagessymptomen. Auch hier können eine primäre und eine sekundäre Form unterschieden werden. Die Ursache ist ebenfalls eine genetisch bedingte zentrale Reifungsverzögerung und zusätzlich liegt eine nicht-organische Blasendysfunktion vor, die die Tagessymptome verursacht. Die Blasendysfunktion wird in vier Formen unterteilt:

  • Blasenüberaktivität mit den Symptomen imperativer Harndrang, häufige Toilettengänge, Haltemanöver (Beispiel: in die Hocke gehen) mit oder ohne Dranginkontinenz;
  • Miktionsaufschub mit Vermeidung von Toilettengängen, seltenen Toilettengängen und eventuell Restharnbildung;
  • dyskoordinierte Miktion mit Anspannung des Beckenbodens während der Blasenentleerung. Dadurch wird die Blasenentleerung immer wieder unterbrochen und damit verlängert;
  • unteraktive Blase mit Einsatz der Bauchpresse, um die Miktion in Gang zu bringen und eventuell Restharnbildung.

Oft bleiben die Tagessymptome dem Umfeld verborgen, vor allem, wenn das Kind am Tag nicht einnässt, oder sie werden fehlgedeutet. Als Beispiel: Wenn das Kind bei plötzlichem Auftreten eines imperativen Harndrangs schnell zur Toilette laufen muss, entsteht oft der Eindruck, es habe den Toilettengang aus Bequemlichkeit oder weil es ein Spiel nicht unterbrechen wollte, zu lange aufgeschoben und müsse sich deswegen beeilen.

Nicht zu unterschätzen sind falsche Trinkgewohnheiten. Gerade Schulkinder trinken untertags sehr wenig, um einen imperativen Harndrang und nicht aufschiebbare Toilettengänge, etwa aus dem Unterricht heraus, zu vermeiden. Holen die Kinder das Trinken abends nach, vergrößert sich die Einnässmenge, sodass oft die Windel nicht ausreicht und das ganze Bett nass wird.

Eine weitere Form ist die funktionelle Harninkontinenz. Die Kinder zeigen dieselben Symptome am Tag wie Kinder mit einer non-MEN, sind aber nachts trocken.

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