Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Gentherapien
-
Gekommen, um zu bleiben

Aktuell sind einige Gentherapien bei seltenen Erkrankungen zugelassen, zahlreiche weitere könnten folgen – perspektivisch auch für Volkskrankheiten. Apotheken werden also in Zukunft immer öfter Patienten beraten, die gentherapeutisch behandelt worden sind.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 19.03.2023  08:00 Uhr

Mit der Genschere zu mehr Spenderorganen

Humangenetiker Spielmann sieht noch ein riesiges Einsatzgebiet für die Gentherapie mit CRISPR-Cas: die Modifikation von tierischen Organen zum Einsatz bei Patienten, die auf ein Spenderorgan warten.

Tatsächlich gab es 2022 den ersten (teil)erfolgreichen Versuch am Menschen. Der 57-jährige David Bennett litt unter einer terminalen Herzerkrankung aufgrund einer viralen Kardiomyopathie. Doch da er früher alkoholkrank war, hatte er keinen Anspruch auf ein Spenderherz.

Ein Team um Dr. Bartley Griffith von der University of Maryland ließ ein Schwein von der Firma Revivicor gentechnisch mit zehn CRISPR-Cas-Edits so verändern, dass sein Herz kleiner wuchs und bestimmte Glykosylierungen auf der Oberfläche der Zellen fehlten, die normalerweise das menschliche Immunsystem auf den Plan gerufen hätten (DOI: 10.1056/NEJMoa2201422). Dieses humanisierte Schweineherz wurde dem Patienten im Januar 2022 erfolgreich implantiert. Bennett lebte knapp zwei Monate mit diesem Herzen. 49 Tage nach der Transplantation versagte das Spenderorgan; an Tag 60 wurden lebenserhaltende Maßnahmen abgestellt.

Die Obduktion ergab, dass das Schweineherz ödematös war und sich seine Größe nahezu verdoppelt hatte. Es fanden sich jedoch keine typischen Zeichen einer Transplantat-Abstoßung. Einem Bericht der »New York Times« zufolge wurden bei der Obduktion DNA-Spuren eines Schweinevirus gefunden. Andere Mediziner kommentierten im »New England Journal of Medicine«, dass gerade der Versuch, das Transplantat immunologisch »zu inert« zu machen, paradoxerweise die Abstoßung gefördert haben könnte (»Missing-Self-Phänomen«). Dies ließe sich allerdings mit einer mTOR-Hemmung durch Sirolimus verhindern (DOI: 10.1056/NEJMc2210401).

Griffith und sein Team wollen weitermachen. »Es wäre eine Riesenchance, unser Problem zu lösen, dass wir viel zu wenig Spenderorgane haben«, betont Spielmann. »Daran arbeiten viele Teams und wir werden in zehn Jahren viel weiter sein.«

Mehr von Avoxa