| Barbara Döring |
| 07.09.2026 09:00 Uhr |
Die Welt ist ungerecht! Wer so denkt, weil ihm Schlechtes widerfahren ist, könnte eher empfänglich für Verschwörungstheorien sein. / © Getty Images/Patrick Daxenbichler
Die Psychologen führten drei Studien durch, um Faktoren zu finden, die Menschen dazu bringen, sich Verschwörungsüberzeugungen anzuschließen. Zunächst überprüften sie, welchen Einfluss wiederholte Widrigkeiten im Leben, wie schwere Erkrankungen oder Verletzungen, Trauer, finanzielle Nöte, zerbrochene Beziehungen oder Gewalt, haben könnten. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die im Laufe ihres Lebens mehrere negative Ereignisse erlebt hatten, die Welt eher als ungerecht empfanden und dass diese Wahrnehmung verstärkt mit stärkeren Verschwörungsüberzeugungen zusammenhing.
In der zweiten Studie verglichen sie die Einstellungen von Menschen, die Opfer eines Gewaltverbrechens geworden waren, mit denen solcher, denen so etwas nie widerfahren ist. Menschen, die Gewalt erlebt hatten, waren ebenfalls stärker von Verschwörungstheorien überzeugt.
Mit der dritten Studie testeten die Forschenden, wie sich die Wahrnehmung von Fairness auf die Verschwörungsüberzeugung auswirkt. Teilnehmende, denen die Forschungsleitung vermittelte, die Welt würde ungerechter, waren demnach anfälliger dafür, Mythen Glauben zu schenken, als solche, die glaubten, die Gesellschaft würde gerechter.
Insgesamt ergaben die im »British Journal of Psychology« veröffentlichten Studien Hinweise darauf, dass Menschen, die lebenslang Widrigkeiten ausgesetzt waren, stärker Ungerechtigkeit empfanden und dass dies wiederum mit einer stärkeren Unterstützung politischer Verschwörungsüberzeugungen und einem geringeren Vertrauen in Institutionen verbunden war.
Laut Hauptautor Dr. Daniel Jolley macht nicht allein das Leben Menschen empfänglich für Verschwörungstheorien, sondern die Art und Weise, wie negative Erfahrungen ihre Sicht auf die Welt prägen. Nicht jeder, dem Schlimmes widerfahren ist, würde zum Verschwörungstheoretiker, so die Forschenden. Aber jene, die ihre Erlebnisse als ungerecht empfinden, könnten gefährdeter sein. Das Verständnis der Zusammenhänge sei wichtig, um Resilienz zu stärken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt angesichts von Widrigkeiten zu fördern.