| Melanie Höhn |
| 03.09.2026 16:20 Uhr |
US-Präsident Donald Trump will die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente für US-Bürger auf das Niveau der niedrigsten Preise senken, die in anderen Industrieländern gezahlt werden. / © Imago Images/MediaPunch
Einer offiziellen Stellungnahme aus dem Weißen Haus war zu entnehmen, dass der US-Präsident neun neue Vereinbarungen mit Pharmaherstellern geschlossen habe. Diese würden darauf abzielen, die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente für US-Bürger auf das Niveau der niedrigsten Preise zu senken, die in anderen Industrieländern gezahlt werden. Dies ist auch als das »Most-Favored-Nation«-Prinzip (MFN), auch »Meistbegünstigtenpreise« genannt, bekannt.
Die Vereinbarungen sollen laut der Mitteilung die Preise für Medikamente zur »Behandlung zahlreicher kostspieliger, chronischer und auch seltener Krankheiten, darunter Hämophilie, Parkinson, Makuladegeneration, Glaukom, Lebererkrankungen, Hautkrankheiten und verschiedene Krebsarten« senken.
Mit den neuen Abkommen steige die Gesamtzahl der Pharmaunternehmen mit MFN-Vereinbarungen auf 26. Sie würden damit 89 Prozent des Marktes für Markenmedikamente abdecken, hieß es weiter. Zu den neun Herstellern gehören mittelgroße Pharmaunternehmen wie Alcon, Astellas Pharma, BeOne Medicines, BridgeBio, CSL, Kyowa Kirin, Sun Pharma, Teva Pharmaceuticals und UCB. Jeder dieser Hersteller habe sich bereit erklärt, durch die Gewährung von MFN-Preisen für US-Patienten ein grundlegendes Gleichgewicht bei der internationalen Preisgestaltung für Medikamente herzustellen.
Die US-Regierung hatte in der Vergangenheit bereits Preisabkommen mit großen Pharmaunternehmen abgeschlossen, darunter Pfizer, Astra Zeneca, Merck, Novo Nordisk und Eli Lilly.
Durch die Abkommen sollen alle Medicaid-Programme der US-Bundesstaaten Zugang zu MFN-Preisen für Produkte dieser neun Unternehmen bekommen. Dies soll laut US-Regierung zu Einsparungen in Milliardenhöhe für die US-Bürger führen.
Weiter hieß es aus dem Weißen Haus, dass die Vereinbarungen sicherstellen sollen, dass andere Länder »nicht länger durch Preiskontrollen von US-Innovationen profitieren können, ohne einen angemessenen Beitrag zu leisten, indem sie MFN-Preise für alle neuen innovativen Medikamente garantieren, die von diesen neun Unternehmen auf den Markt gebracht werden.«
Wie Factcheck.org analysierte, bezweifeln jedoch Kritiker, dass Trumps Vereinbarungen mit Pharmaunternehmen bereits maßgeblich zu sinkenden Arzneimittelpreisen beitragen. Zwar seien die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA zuletzt gesunken, Experten sehen darin jedoch nicht zwangsläufig einen direkten Erfolg von Trumps Maßnahmen, heißt es in der Untersuchung. Auch andere Entwicklungen auf dem US-Gesundheitsmarkt könnten zu dem Preisrückgang beigetragen haben.
Zudem würden die sogenannten »Meistbegünstigungspreise« nicht pauschal für alle Medikamente und Patientinnen und Patienten gelten. Die neuen Vereinbarungen von Trump würden insbesondere die staatlichen Medicaid-Programme und damit nur einen Teil des US-Arzneimittelmarktes betreffen. Hinzu komme, dass ein Teil der von der US-Regierung genannten Einsparungen bislang auf Prognosen beruhe. Es gebe daher noch Klärungsbedarf, wie stark die Vereinbarungen die tatsächlichen Kosten für Patienten und das Gesundheitssystem senken werden.