| Alexander Müller |
| 14.09.2026 11:15 Uhr |
Bei der zweiten Kernforderung geht es um eine dauerhafte Einbindung der Apotheken in die Primärversorgung. Beim Impfen, in der Diagnostik und Früherkennung von Volkskrankheiten sollen Apotheken gestärkt werden. Die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) sollen ausgebaut und weiterentwickelt werden. Mit dem Positionspapier »Die zukünftige Rolle der Apotheke in der Primärversorgung« hatte die ABDA Mitte 2026 schon ein Angebot an die Politik gemacht.
Mit der Apothekenreform wurden bereits einige neue Leistungen eingeführt. Laut Apothekenklima-Index sind drei Viertel der Apotheken bereit, im Notfall verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept auszugeben. Unter welchen Umständen und mit welchen Wirkstoffen das geht, wird derzeit noch zwischen den Gesundheitsberufen und Institutionen abgestimmt. Die Erbringung neuer pDL sowie weitere Impfungen mit Totimpfstoffen können sich 40 beziehungsweise 35 Prozent der befragten Apotheken vorstellen – wobei Zweifel an einem gesunden Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag fortbestehen.
Die dritte Kernforderung zum Bürokratieabbau zielt auf eine Reduktion von Dokumentations-, Nachweis- und Abrechnungspflichten sowie auf Digitalisierungsmaßnahmen, von denen die Patienten mehr Nutzen und die Apotheken weniger Aufwand haben. 90 Prozent der Befragten beim Apothekenklima-Index gaben bürokratischen Aufwand als eines der größten Ärgernisse ihres Berufsalltags an. »Jede Minute Bürokratie fehlt am Ende bei der Versorgung der Menschen. Digitalisierung muss Arbeit erleichtern und nicht zusätzliche Belastungen schaffen«, so Thomas Preis.
Die vierte Kernforderung zum Versandhandel schlägt eine konkrete Gesetzesänderung vor. Hintergrund sind die ab 2027 geltenden höheren Zuzahlungen bei Arzneimitteln und die Ankündigung großer Versandkonzerne, diese zu erlassen. In § 43c Absatz 2 SGB V sollte aus Sicht der ABDA »ein ausdrückliches Verbot des Zuzahlungsverzichts und der Werbung« verankert werden. Einen Formulierungsvorschlag für die Anpassung des Gesetzestextes liefert die ABDA der Politik gleich mit. »Wir fordern den Gesetzgeber klar auf, beim Thema Temperaturkontrolle und Einzug der Zuzahlung jetzt handeln«, so Preis.
Laut Apothekenklima-Index befürchtet eine Mehrheit der Apotheken, dass der Versandhandel durch die illegalen Boni noch einmal gestärkt werden könnte. Hinzu kommt, dass sich die Regierung nicht zu wirklich strengeren Auflagen bei den Versandbedingungen durchringen konnte, auch weil die Versenderlobby Druck in Brüssel gemacht hatte. Man werde beim neuen Minister an dem Thema dranbleiben, kündigte Preis an. Teile des ABDA-Vorstands war zuletzt auch in Brüssel: »Da gibt es klar die Tendenz, dass das ein Thema des Verbraucherschutzes ist.«
Der Versandhandel wirke inzwischen als »Störfaktor für die flächendeckende Versorgung«. Denn die börsennotierte Unternehmen im europäischen seien nur ihrem Umsatz verpflichtet: »Die interessieren sich nur für Geschäfte, nicht für Versorgung«, so Preis.