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Health Equity
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Frauen sind benachteiligt, Männer benachteiligen sich?

Strukturelle Ungleichheiten haben in der Gesundheitsversorgung und -forschung zahlreiche und kostspielige Folgen. Wie kann Digitalisierung dazu beitragen, Ungleichheiten konkret zu reduzieren?
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 09.10.2026  15:00 Uhr

Beispiel Krebs in der Frauengesundheit

Die mangelhafte Gesundheitsversorgung der Frauen erklärt Jacqueline Lammert von der TU München anhand ihres Fachgebiets: »Wenn wir in die Frauengesundheit schauen, gelten mehr als 50 Prozent der Krebserkrankungen als selten«, so die Oberärztin. Sie spreche hier nicht von Brustkrebs, sondern von Krebserkrankungen im Bauchraum. Sie komme hier auf 600.000 Frauen, die ohne Behandlungsstandard und Leitlinien versorgt werden.

Geschlechtsbezogene Ungleichheiten im Gesundheitsbereich sind laut Ansicht der Gematik-Geschäftsführerin Brenya Adjei nicht nur durch zahlreichere Studien an Frauen zu beheben. »In den Führungspositionen werden Konzepte entwickelt. In den Führungspositionen wird sich für oder gegen ein Produkt entschieden«, untermauert sie. Für einen nachhaltigen und systematischen Angriff des Problems seien Frauen in Führungspositionen und der Schluss von Gender-Leadership-Gaps essenziell.

Der Diskurs der Daten

Um tatsächlich eine Verbesserung der Versorgungslage zu erreichen, müssten Frauen laut Adjei endlich priorisiert werden, selbst wenn sich Männer dadurch ungerecht behandelt fühlen. Natürlich sollten diese in der Ansprache, Beratung und in Services mitgedacht werden, allerdings sei die Schließung des Gender Data Gaps nach jahrelanger Vernachlässigung der Frauen beispielsweise in Studien elementare Grundvoraussetzung für eine gerechtere Versorgung.

Laut Lammert bleiben 97 Prozent der Daten im Gesundheitsbereich ungenutzt. Hier sieht die Onkologin eine Chance für Apotheken: »Das Schöne ist, wenn man strukturierte Daten verknüpft, zum Beispiel Apothekendaten und Labordaten, dann kann man daraus einen richtigen Mehrwert schöpfen, kann Signale ableiten und kann dann die Behandlung verbessern«.

Hinsichtlich Forschung und Daten sind sich die Expertinnen und der Experte allerdings weitestgehend einig: Sie müssen differenzierter und individualisierter erhoben werden. Die Geschlechtsbinarität, mangelnde Betrachtung des Alters, soziokulturelle Faktoren und weitere Diversitätsdomänen werden hier laut Professorin Stadler bisher vernachlässigt. Stadler betont, dass durch eine systematische Erfassung versorgungsrelevante Themen aufkommen könnten, die auch für Fachpersonal bisher unbekannt seien, wie zum Beispiel toxische Wechselwirkungen von seltenen Medikamenten. Versorgungsrisiken würden so schneller erkannt.

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